Was wird aus den Krankenkassen – und wer verbindet künftig den Patientenweg?
Wenn sich die Geldwege verändern, bleiben notwendige Aufgaben bestehen. Gleichzeitig stellt sich eine neue Frage: Wer hilft dabei, dass aus einzelnen Behandlungen ein zusammenhängender Patientenweg wird?
Die nächste Frage lautet nicht: Welche Institution schaffen wir ab? Sondern: Welche Funktionen werden künftig gebraucht – welche Strukturen gibt es bereits – und wer kann sie sinnvoll verbinden?
NÄCHSTE ARBEITSPHASE
Wir schauen genauer hin.
GESETZLICHE KRANKENKASSEN
Eine mögliche Gesundheitsorganisation?
Eine Möglichkeit wäre, dass sich heutige Krankenkassen stärker zu Gesundheitsorganisationen entwickeln. Sie könnten notwendige Finanzierungs-, Prüf- und Beratungsaufgaben behalten und zugleich stärker dazu beitragen, Versorgung entlang des Patientenwegs zu verbinden.
→ Möglichkeit prüfen, nicht vorwegnehmenPRIVATE KRANKENVERSICHERER
Was geschieht mit ihrem Wissen?
Die heutige substitutive Vollversicherung gäbe es im Gedankenexperiment nicht mehr wie bisher. Versicherungswissen, Leistungsprüfung und Zusatzschutz bleiben jedoch wertvolle Kompetenzen.
→ Kompetenz nicht verschwendenUNFALLVERSICHERUNG
Kern einer Arbeitgeber-Rückversicherung?
Für beruflich verursachte Risiken gibt es bereits Strukturen und Erfahrung. Zu prüfen ist, was davon übernommen oder weiterentwickelt werden könnte.
→ vorhandene Struktur prüfenBEIHILFESTELLEN
Vom Sonderweg zum allgemeinen Schutz?
Wenn Beihilfe kein Beamtenprivileg mehr wäre, stellt sich die Frage, ob vorhandene Erfahrung für eine allgemeine Beihilfe genutzt werden kann.
Heutige Beteiligungen an Krankenversicherungsbeiträgen könnten sich verändern. Neue Schnittstellen zur AKV-Finanzierung wären zu klären.
→ Geldwege neu ordnenBESCHÄFTIGTE
Was wird aus den Menschen?
Institutionen bestehen aus Wissen, Erfahrung und Qualifikation. Deshalb prüfen wir nicht nur, welche Aufgaben entfallen, sondern auch, welche bleiben oder neu entstehen.
→ Kompetenz als Ressource
DAZUGELERNT · PATIENTENWEG
Die Gesundheitsorganisation ist nicht mehr dieselbe.
Unsere Recherche zur ePA und zu bestehenden Patientenlotsen hat die Modellidee verändert. Viele Funktionen gibt es bereits – verteilt auf Krankenkassen, Hausärzte, Entlassmanagement, Praxisnetze, Case Management und andere Angebote.
Weitergedacht müsste eine Gesundheitsorganisation deshalb nicht möglichst viel selbst übernehmen. Sie wäre eine mögliche Partnerin in einem Netz, das vorhandene Strukturen und Informationen entlang des Patientenwegs besser verbindet.
Eine Infrastruktur ist bereits da
Mit der elektronischen Patientenakte entsteht eine gemeinsame digitale Informationsgrundlage. Im Gedankenexperiment interessiert deshalb nicht nur: „Was steht in der Akte?“, sondern: „Wer braucht welche Information für den nächsten Versorgungsschritt?“
Unterstützung nach Bedarf
Viele Menschen navigieren selbst. Andere brauchen zeitweise Orientierung; bei komplexen Versorgungssituationen kann persönliche Begleitung oder Case Management sinnvoll sein.
Zugriff folgt Aufgabe. Die ePA wird in diesem Gedankenexperiment nicht zum Gesundheits-Punktekonto. Gesundheitsdaten sollen weder individuelle Beiträge noch den Umfang medizinisch notwendiger Versorgung bestimmen.
UNSER AUSGANGSPUNKT
Ihre Aufgaben verändern sich.
Aufgabe entfällt
Zum Beispiel könnten bestimmte Statusprüfungen, Sonderwege oder heutige Geldtransfers nicht mehr benötigt werden.
Aufgabe bleibt oder entsteht neu
Beratung, Abrechnung, Versorgungskoordination, Prävention, Leistungsprüfung, Datenanalyse oder neue Formen des Risikoausgleichs können weiterhin oder stärker gebraucht werden.
Nicht der Erhalt jeder heutigen Institution ist das Ziel. Aber vorhandene Kompetenz und Erfahrung sind eine Ressource des Systems und dürfen bei einem Umbau nicht gedankenlos vernichtet werden.
DAZUGELERNT · REGIONALE VERNETZUNG
Koordination nicht doppelt aufbauen.
Unsere ÖGD-Recherche verändert auch die Idee der Gesundheitsorganisationen. In Bayern sollen die Gesundheitsämter ab 2027 sektorenübergreifende Netzwerke schaffen; die Gesundheitsregionenplus werden dafür flächendeckend weiterentwickelt.
Bevor eine Gesundheitsorganisation eine eigene regionale Koordinierungsstruktur aufbaut, muss deshalb geprüft werden, welche Aufgabe bereits beim ÖGD oder in einer Gesundheitsregionplus liegt – und ob die Gesundheitsorganisation dort besser Partnerin als neue Parallelstruktur wäre.
Was gibt es bereits?
ÖGD, Gesundheitsregionenplus, Praxisnetze, Hausärzte, Entlassmanagement, Lotsen und weitere Strukturen bringen schon heute unterschiedliche Teile der Versorgung zusammen.
Was fehlt tatsächlich?
Nur wenn eine notwendige Funktion nicht sinnvoll durch bestehende Strukturen erfüllt werden kann, sollte im Gedankenexperiment etwas Neues daneben entstehen.
Vorhandenes prüfen, bevor Neues daneben gebaut wird.
Bevor neue Apps, Plattformen oder Navigationsstrukturen entstehen, soll geprüft werden, welche Funktionen mit ePA, Telematikinfrastruktur und bereits vorhandenen Versorgungsangeboten erfüllt werden können.
Wer verbindet?
Krankenkasse, Hausarzt, Praxisnetz oder unabhängiger Lotse: Keine Variante wird im Gedankenexperiment vorab zur Lösung erklärt.
Wer finanziert gemeinsame Infrastruktur?
Offen bleibt, wie gemeinsame digitale Infrastruktur sinnvoll zwischen GKV, PKV und gegebenenfalls öffentlichen Mitteln finanziert werden sollte.
Auch diese Idee muss sich an ihrer Wirkung messen lassen: Was kostet die Begleitung – was bewirkt sie – und was verändert sich dadurch an anderer Stelle?
NOCH KEINE ANTWORT
Diese Fragen bleiben bewusst offen.
Wir haben die möglichen Träger einer verbundenen Patientenbegleitung noch nicht gegeneinander bewertet. Auch Zugriffsrechte, Finanzierung, Aufwand und messbare Wirkung sind nicht abschließend geprüft.
Erst danach lässt sich beurteilen, welche Rollen heutige Krankenkassen, Praxisnetze, Lotsen und andere Strukturen sinnvoll übernehmen könnten.
WAS ÜBERSEHEN WIR?
Hinweise auf fehlende Aufgaben, unterschätzte Wechselwirkungen, Erfahrungen aus der Praxis oder belastbare Quellen können in die weitere Prüfung einfließen.