SYSTEMATLAS · PFLEGE · BEREICH 02

Wer trägt die Pflege?

Wer Pflege tatsächlich leistet – zu Hause, ambulant und stationär.

FRAGEN & ANTWORTEN

02 · Wer trägt die Pflege?

Pflege findet überwiegend zu Hause statt. Dieser Bereich zeigt, wer sie tatsächlich leistet – Angehörige, andere Pflegepersonen, ambulante Dienste und stationäre Einrichtungen.

08Wo werden pflegebedürftige Menschen versorgt?

Pflege in Deutschland findet überwiegend zu Hause statt.

86 %zu Hause versorgt
14 %vollstationär im Pflegeheim

Ende 2023 waren knapp 5,69 Millionen Menschen pflegebedürftig. Rund 4,89 Millionen von ihnen wurden zu Hause versorgt; etwa 800.000 lebten in vollstationärer Pflege.

Innerhalb der häuslichen Pflege gibt es wiederum unterschiedliche Formen: Pflege ausschließlich durch Angehörige oder andere private Pflegepersonen, Unterstützung durch ambulante Dienste oder Kombinationen daraus.

Kurz gesagt: Pflegeheim ist nicht der Normalfall. Das Zentrum des deutschen Pflegesystems ist die häusliche Versorgung.

Quelle: Destatis: Pflegestatistik 2023

09Wer pflegt zu Hause?

Vor allem Angehörige und andere private Pflegepersonen. 2023 wurden rund 3,8 Millionen Pflegebedürftige – etwa zwei Drittel aller Pflegebedürftigen – zu Hause überwiegend durch Angehörige betreut.

Daneben übernehmen ambulante Pflege- und Betreuungsdienste einen Teil oder die gesamte Versorgung. Häufig ergänzen sich private und professionelle Pflege.

Das Pflegeversicherungsrecht spricht bewusst von Pflegepersonen. Das können neben Familienangehörigen auch Freunde, Nachbarn oder andere Menschen sein, die nicht erwerbsmäßig pflegen.

Wichtig: Angehörige stehen nicht außerhalb des Pflegesystems. Sie tragen einen wesentlichen Teil davon.

Quellen: Destatis: Angehörigenpflege · BMG: Pflegepersonen

10Bekommen pflegende Angehörige Geld für ihre Pflege?

Pflegegeld ist kein Lohn für den pflegenden Angehörigen.

Das Pflegegeld wird an die pflegebedürftige Person gezahlt, wenn die häusliche Pflege selbst sichergestellt wird. Sie kann darüber grundsätzlich frei verfügen und es beispielsweise an die Person weitergeben, die sie pflegt.

Damit kann Pflegegeld in einem Haushalt wirtschaftlich wichtig werden – besonders wenn die Pflegeperson wegen der Pflege ihre Erwerbsarbeit reduziert. Rechtlich bleibt es trotzdem eine Leistung an den Pflegebedürftigen und kein Arbeitsentgelt.

Merksatz: Pflegegeld unterstützt die häusliche Pflege. Es macht den pflegenden Angehörigen aber nicht zum bezahlten Arbeitnehmer.

Quelle: BMG: Pflege zu Hause

11Wie sind pflegende Angehörige sozial abgesichert?

Wer einen Menschen mit Pflegegrad 2 bis 5 zu Hause nicht erwerbsmäßig pflegt, kann unter bestimmten Voraussetzungen sozial abgesichert werden.

Vorausgesetzt werden insbesondere mindestens zehn Stunden Pflege pro Woche an wenigstens zwei Tagen. Je nach persönlicher Situation zahlt die Pflegeversicherung Beiträge zur Rentenversicherung; außerdem besteht gesetzlicher Unfallversicherungsschutz und gegebenenfalls Absicherung in der Arbeitslosenversicherung.

Die Höhe der Rentenbeiträge hängt unter anderem vom Pflegegrad und davon ab, welche Pflegeleistungen genutzt werden.

Stand 2026 · politische DiskussionDie künftige Ausgestaltung und Finanzierung der Rentenabsicherung pflegender Angehöriger wird politisch diskutiert. Maßgeblich für diese FAQ ist zunächst das geltende Recht; Reformvorschläge werden vor Veröffentlichung jeweils aktuell geprüft.

Kurz gesagt: Angehörigenpflege ist kein reguläres Beschäftigungsverhältnis – sie kann aber eigene sozialversicherungsrechtliche Ansprüche auslösen.

Quelle: BMG: soziale Absicherung für Pflegepersonen

12Was ist der Unterschied zwischen Pflegegeld und Pflegesachleistung?

Die Begriffe klingen komplizierter, als sie sind.

PFLEGEGELDPflege wird privat organisiertDie pflegebedürftige Person erhält einen monatlichen Geldbetrag.
PFLEGESACHLEISTUNGProfessioneller ambulanter PflegedienstDer Dienst rechnet seine Pflegeleistungen bis zum Höchstbetrag mit der Pflegekasse ab.

„Sachleistung“ bedeutet hier keinen Gegenstand. Gemeint ist die Dienstleistung professioneller ambulanter Pflege.

Beides kann kombiniert werden: Wird nur ein Teil des möglichen Sachleistungsbudgets genutzt, kann anteilig weiterhin Pflegegeld gezahlt werden. Das nennt sich Kombinationsleistung.

Kurz gesagt: Pflegegeld unterstützt selbst organisierte Pflege; Pflegesachleistung finanziert professionelle ambulante Pflege.

Quelle: BMG: ambulante Pflegeleistungen

13Was leisten ambulante Pflegedienste?

Ambulante Pflegedienste helfen dabei, dass pflegebedürftige Menschen in ihrer eigenen Wohnung bleiben können.

Sie können beispielsweise körperbezogene Pflegemaßnahmen, pflegerische Betreuung und Hilfen bei der Haushaltsführung übernehmen. Welche Leistungen tatsächlich vereinbart werden, richtet sich nach dem individuellen Bedarf.

Ein Dienst – unterschiedliche Kostenträger

Ein Pflegedienst kann auch ärztlich verordnete häusliche Krankenpflege durchführen, zum Beispiel bestimmte medizinische Behandlungspflege. Dann zahlt nicht die Pflegeversicherung, sondern die Krankenversicherung.

Pflegebedarf → Pflegeversicherung. Ärztlich verordnete Behandlungspflege → Krankenversicherung.

Quelle: BMG: Pflege zu Hause

14Was sind Tagespflege, Kurzzeitpflege und Verhinderungspflege?
Tages-/NachtpflegeZu Hause leben, zeitweise in einer Einrichtung betreut werden.
KurzzeitpflegeVorübergehend vollstationäre Pflege, wenn häusliche Versorgung zeitweise nicht möglich ist.
VerhinderungspflegeErsatzpflege, wenn die private Pflegeperson zeitweise ausfällt.

Seit Juli 2025 gibt es für Kurzzeit- und Verhinderungspflege einen gemeinsamen Jahresbetrag, der flexibel für beide Leistungsarten eingesetzt werden kann.

Gerade für Familien, die ein pflegebedürftiges Kind versorgen, können solche zeitweisen Entlastungsangebote besonders wichtig sein. Andere Unterstützungs- und Teilhabeleistungen für Kinder betrachten wir später gesondert.

Kurz gesagt: Diese Leistungen sollen häusliche Pflege ergänzen und zeitweise entlasten – nicht zwangsläufig ersetzen.

Quelle: BMG: Entlastungsleistungen zu Hause

15Warum werden so viele Menschen zu Hause gepflegt?

Es gibt nicht den einen Grund. Persönliche Wünsche, familiäre Beziehungen, Kosten, Erwerbssituation und die Verfügbarkeit professioneller Angebote greifen ineinander.

Vertraute UmgebungViele Menschen möchten zu Hause bleiben und von vertrauten Personen unterstützt werden.
Familie & VerantwortungPartner, Kinder und andere Nahestehende übernehmen Pflege aus Verbundenheit und Verantwortungsgefühl.
Kosten & EinkommenStationäre Pflege kann hohe Eigenkosten verursachen; Pflege kann zugleich Erwerbsarbeit und Einkommen der Angehörigen einschränken.
VerfügbarkeitAmbulante Dienste, Tagespflege, Kurzzeitpflege und Heimplätze stehen regional nicht überall gleich zur Verfügung.

Pflege kann Einkommen kosten

Wer umfangreich pflegt, reduziert mitunter seine Erwerbsarbeit. Neuere Untersuchungen zeigen, dass besonders Pflege im eigenen Haushalt mit geringerer Erwerbstätigkeit und niedrigeren Erwerbseinkommen verbunden sein kann. Frauen übernehmen Angehörigenpflege weiterhin besonders häufig.

Und das Pflegegeld?

Pflegegeld ist kein Lohn. Wird es aber von der pflegebedürftigen Person an den pflegenden Angehörigen weitergegeben, kann es in einem Haushalt faktisch helfen, Einkommensverluste abzufedern.

„Zu Hause gepflegt“ bedeutet deshalb nicht automatisch „frei gewählt“. Häusliche Pflege kann Wunschlösung sein – sie kann aber auch durch finanzielle Möglichkeiten, familiäre Erwartungen oder fehlende Alternativen beeinflusst werden.

Quellen: Destatis: häusliche Pflege · DIW: Angehörigenpflege und Erwerbsarbeit · vdek: Eigenanteile Pflegeheim 2026

16Wann ist eine stationäre Pflege sinnvoll oder notwendig?

Ein Pflegegrad führt nicht automatisch ins Pflegeheim. Auch Menschen mit hohen Pflegegraden können zu Hause versorgt werden.

Eine stationäre Versorgung kann sinnvoll oder notwendig werden, wenn der Pflegebedarf zu Hause dauerhaft nicht mehr sicher abgedeckt werden kann – etwa wegen sehr hoher Unterstützungsbedarfe, fehlender Betreuung, Überlastung der Pflegepersonen, ungeeigneter Wohnbedingungen oder mangelnder verfügbarer ambulanter Angebote.

Die Entscheidung hängt deshalb nicht nur vom Pflegegrad ab, sondern von der gesamten Lebens- und Versorgungssituation.

Pflege ist keine feste Leiter von „zu Hause“ zu „Pflegeheim“. Unterschiedliche Versorgungsformen können sich ergänzen oder im Lebensverlauf verändern.

Quelle: Destatis: Pflegebedürftige nach Versorgungsform und Pflegegrad

17Wer arbeitet professionell in der Pflege?

Professionelle Pflege wird von unterschiedlichen Berufs- und Beschäftigtengruppen getragen: Pflegefachpersonen, Pflegehilfs- und Assistenzkräfte, Betreuungskräfte, hauswirtschaftliche Beschäftigte und weitere Berufsgruppen.

Sie arbeiten unter anderem in ambulanten Pflegediensten, Tages- und Nachtpflege, Kurzzeitpflege und stationären Pflegeeinrichtungen.

Deutschland verfügt über viele tausend ambulante Pflegedienste und Pflegeheime. Ob für den künftig wachsenden Pflegebedarf ausreichend Personal vorhanden sein wird, hängt aber nicht nur von der Zahl der Beschäftigten ab, sondern auch von Qualifikation, Arbeitszeit, regionaler Verteilung und Arbeitsbedingungen.

Später im Bereich „Pflege als System“: Wie groß der Personalbedarf künftig werden könnte – und warum Modellrechnungen nicht mit sicheren Prognosen verwechselt werden dürfen.

Kurz gesagt: Professionelle Pflege ist Teamarbeit unterschiedlicher Berufsgruppen – und ergänzt ein System, das zu einem großen Teil von privater Pflege getragen wird.

Quelle: Destatis: Pflegeeinrichtungen und Personal