SYSTEMATLAS · ÖFFENTLICHER GESUNDHEITSDIENST · BEREICH 01

Was ist der Öffentliche Gesundheitsdienst?

01Was ist der Öffentliche Gesundheitsdienst?

Der Öffentliche Gesundheitsdienst – ÖGD ist ein Teil des deutschen Gesundheitswesens.

Anders als Arztpraxen und Krankenhäuser kümmert er sich nicht in erster Linie um die Behandlung einzelner Patienten. Sein Blick richtet sich stärker auf die Gesundheit der Bevölkerung.

Zu seinen Aufgaben gehören beispielsweise Gesundheitsschutz, Prävention, Gesundheitsförderung, Beratung und Gesundheitsberichterstattung. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Gesundheitsämter.

Der behandelnde Arzt fragt vor allem: Was braucht dieser Patient? Der ÖGD fragt zusätzlich: Was braucht eine Bevölkerung, damit Gesundheit geschützt und gefördert wird?

Quelle / Grundlage: Bundesgesundheitsministerium – Aufgaben des ÖGD

02Ist der ÖGD dasselbe wie das Gesundheitsamt?

Nein. Das Gesundheitsamt ist der Teil des ÖGD, dem Bürgerinnen und Bürger vor Ort am ehesten begegnen.

Der Öffentliche Gesundheitsdienst reicht aber über die kommunale Ebene hinaus. Zu ihm gehören Gesundheitsbehörden und Fachinstitutionen auf verschiedenen staatlichen Ebenen.

BEISPIEL BAYERNBayerisches Gesundheitsministerium · Regierungen · Bayerisches Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) · Gesundheitsämter.

Dabei handelt es sich nicht um eine einfache Befehlskette. Je nach Aufgabe gelten unterschiedliche Zuständigkeiten.

Gesundheitsamt ist nicht gleich ÖGD – sondern ein wichtiger Teil davon.

Quelle / Grundlage: Bayerisches Gesundheitsdienstgesetz

03Was macht ein Gesundheitsamt eigentlich?

Erstaunlich viel Unterschiedliches.

SCHÜTZENInfektionsgefahren und HygieneVORBEUGENPrävention und GesundheitsförderungBERATENFamilien und besonders belastete MenschenBEOBACHTENGesundheitsberichterstattungPRÜFENUntersuchungen, Überwachung und Gutachten

Das erklärt auch, warum das Gesundheitsamt für viele Menschen schwer einzuordnen ist.

Es ist Beratungsstelle, Fachbehörde und in bestimmten Bereichen zugleich Aufsichtsbehörde.

Quelle / Grundlage: Bayerisches Gesundheitsdienstgesetz

04Behandelt das Gesundheitsamt auch Patienten?

Nicht in erster Linie. Ein Gesundheitsamt ist keine zweite Hausarztpraxis und kein Ersatz für die normale medizinische Versorgung.

Es gibt durchaus personenbezogene Leistungen – beispielsweise Untersuchungen, Beratungen oder bestimmte Impfangebote. Die Grundperspektive ist aber eine andere.

Eine Arztpraxis behandelt Erkrankungen einzelner Menschen. Der ÖGD versucht zusätzlich, gesundheitliche Gefahren für viele Menschen zu erkennen, Krankheiten vorzubeugen und Gesundheit in einer Bevölkerung zu fördern.

Quelle / Grundlage: Bayerisches Gesundheitsdienstgesetz

05Warum ist Gesundheit auch eine öffentliche Aufgabe?

Weil nicht jedes Gesundheitsproblem allein zwischen einem Menschen und seinem Arzt gelöst werden kann.

Ein einfaches Beispiel ist eine ansteckende Krankheit. Die Erkrankung betrifft zunächst einen einzelnen Menschen. Kann er andere anstecken, entsteht daraus möglicherweise ein gesundheitliches Risiko für viele.

Ähnliches gilt für Trinkwasser, Hygiene, Epidemien oder gesundheitliche Umweltgefahren.

Manche Gesundheitsprobleme werden erst verständlich, wenn wir nicht nur auf einen Menschen, sondern auf eine ganze Bevölkerung schauen.

Quelle / Grundlage: Bayerisches Gesundheitsdienstgesetz

06Was hat der ÖGD mit Prävention zu tun?

Sehr viel. Gesundheitsämter sollen Krankheiten nicht nur beobachten, sondern auch Gesundheitsförderung und Prävention unterstützen.

Dabei können sie informieren, beraten, regionale Probleme erkennen und Maßnahmen anregen. Der ÖGD ist aber nicht für die gesamte Prävention in Deutschland zuständig.

Quelle / Grundlage: Bayerisches Gesundheitsdienstgesetz

07Für wen ist der ÖGD besonders wichtig?

Grundsätzlich für die gesamte Bevölkerung. Eine besondere Rolle hat er aber dort, wo Menschen gesundheitlich oder sozial stärker belastet sind oder klassische Versorgungsangebote sie schlechter erreichen.

Dazu können beispielsweise gehören: Kinder und Jugendliche, sozial benachteiligte Menschen, Menschen mit Behinderungen, Menschen mit chronischen oder psychischen Erkrankungen sowie besonders schutzbedürftige Menschen.

Der ÖGD kann beraten, gesundheitliche Probleme sichtbar machen und auf Hilfsangebote hinweisen. Er übernimmt dadurch aber nicht automatisch die Aufgaben anderer Systeme.

Gesundheitsamt, Jugendhilfe, Eingliederungshilfe, Pflege und medizinische Versorgung können dieselben Menschen betreffen – haben aber unterschiedliche Aufgaben.

VERTIEFUNG VORGEMERKTKinder und Jugendliche werden später systemübergreifend betrachtet.

Quelle / Grundlage: Bayerisches Gesundheitsdienstgesetz

08Beobachtet der ÖGD auch, wie gesund eine Region ist?

Ja. Ein wichtiger Aufgabenbereich ist die Gesundheitsberichterstattung.

Dafür werden gesundheitliche Entwicklungen und nicht personenbezogene Daten ausgewertet. Gefragt werden kann beispielsweise: Welche Erkrankungen treten besonders häufig auf? Welche Bevölkerungsgruppen sind besonders belastet? Gibt es regionale Unterschiede? Welche gesundheitlichen Risiken entwickeln sich?

Wer Gesundheit fördern oder Versorgung planen will, muss zunächst wissen, was vor Ort tatsächlich gebraucht wird.

Quelle / Grundlage: Bayerisches Gesundheitsdienstgesetz