FRAGEN & ANTWORTEN

Wohin fließt das Geld?

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18Wer bekommt das Geld am Ende?

Am Ende der Finanzierungswege stehen die Bereiche der Versorgung. Dazu gehören unter anderem Arztpraxen, Krankenhäuser, Pflege, Rehabilitation, Apotheken und Arzneimittelhersteller sowie Prävention und der öffentliche Gesundheitsdienst.

AMBULANTArztpraxen
STATIONÄRKrankenhäuser
ARZNEIMITTELApotheken · Hersteller
PFLEGEPflegeeinrichtungen · Dienste
REHARehabilitation
WEITEREPrävention · ÖGD · weitere Bereiche

Für diese Bereiche gelten unterschiedliche Finanzierungs- und Vergütungsregeln. Die folgenden Fragen greifen die wichtigsten Geldwege einzeln auf.

19Wie werden niedergelassene Ärzte bezahlt?

Wenn gesetzlich Versicherte zum Haus- oder Facharzt gehen, bezahlt die Krankenkasse die einzelne Rechnung normalerweise nicht direkt an die Arztpraxis.

Vereinfacht läuft der Geldweg so:

Krankenkassen → Kassenärztliche Vereinigung → Arztpraxen

Die Krankenkassen und die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung vereinbaren auf regionaler Ebene, wie viel Geld für die ambulante vertragsärztliche Versorgung zur Verfügung steht. Einen wichtigen Teil bildet die sogenannte morbiditätsbedingte Gesamtvergütung.

Welche ärztliche Leistung wie bewertet wird, regelt der Einheitliche Bewertungsmaßstab (EBM). Die Praxis dokumentiert ihre abrechenbaren Leistungen und rechnet sie gegenüber der Kassenärztlichen Vereinigung ab. Diese verteilt die Honorarmittel nach den geltenden Regeln an Ärzte und Psychotherapeuten.

Nicht jede zusätzliche Behandlung führt automatisch zu zusätzlichem Honorar. Ein großer Teil der Versorgung ist budgetiert. Daneben gibt es Leistungen, die außerhalb dieses Budgets zu festen Preisen vergütet werden.

Für Hausärzte gilt seit 1. Oktober 2025 eine wichtige Besonderheit: Leistungen der allgemeinen hausärztlichen Versorgung einschließlich zugehöriger Hausbesuche werden innerhalb der Gesamtvergütung vollständig vergütet.

Für privatärztliche Behandlungen gilt ein anderer Abrechnungsweg: Sie werden grundsätzlich nach der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) abgerechnet.

Kurz gesagt: In der GKV stehen zwischen Krankenkasse und Arztpraxis in der Regel die Kassenärztlichen Vereinigungen. Der EBM bewertet die Leistungen; die geltenden Vergütungsregeln bestimmen daraus das Honorar.

20Wie werden Krankenhäuser bezahlt?

Krankenhäuser erhalten Geld aus unterschiedlichen Quellen: Laufende Behandlungen werden über Kostenträger finanziert, Investitionen grundsätzlich durch die Länder. Für Behandlungen spielen fallbezogene Vergütungen weiterhin eine wichtige Rolle.

Krankenhausfinanzierung genauer ansehen: Wie Investitionskosten, Betriebskosten, Fallpauschalen, Pflegebudget und die geplante Vorhaltevergütung zusammenspielen, zeigt der Digitale Entscheidungskompass am Praxisfall Krankenhaus Vilsbiburg.

Krankenhausfinanzierung & Gesundheitssystem im D.E. →
21Warum soll sich die Krankenhausfinanzierung gerade wieder verändern?

Krankenhäuser müssen zwei sehr unterschiedliche Dinge finanzieren: Sie müssen Behandlungen durchführen – und gleichzeitig Versorgung bereithalten, auch wenn gerade kein Patient behandelt wird. Dazu gehören beispielsweise Personal, Notfallstrukturen, Medizintechnik und bestimmte Fachabteilungen.

Ein wesentlicher Teil der laufenden Krankenhauskosten wird bislang über Fallpauschalen (DRG) finanziert: Ein Krankenhaus erhält Geld für behandelte Fälle. Das kann einen problematischen Anreiz erzeugen, weil ein Teil der Kosten bereits dadurch entsteht, dass Versorgung überhaupt bereitsteht.

Genau hier setzt die Krankenhausreform an: Ein Teil der Vergütung soll künftig stärker an der Vorhaltung von Versorgungsstrukturen ausgerichtet werden. Leistungen sollen außerdem sogenannten Leistungsgruppen zugeordnet werden, die mit Qualitätsanforderungen verbunden sind.

Ein Krankenhaus braucht Fälle, um Erlöse zu erzielen – obwohl ein Teil seiner Kosten schon dadurch entsteht, dass es Versorgung überhaupt bereithält.

Die Reform selbst befindet sich 2026 weiterhin in Anpassung. Die ursprüngliche Krankenhausreform wurde Ende 2024 beschlossen; mit dem Krankenhausreformanpassungsgesetz werden Fristen und einzelne Regelungen nachjustiert. Mit dem 2026 in Kraft getretenen Krankenhausreformanpassungsgesetz wurde der Zeitplan nochmals verschoben: 2026 und 2027 bleiben im Hinblick auf die Vorhaltevergütung budgetneutral, 2028 und 2029 bilden die Konvergenzphase. Ab 2030 soll die Vorhaltevergütung vollständig finanzwirksam werden.

Für Patientinnen und Patienten ist das relevant, weil Finanzierungsregeln mitentscheiden können, welche Leistungen ein Krankenhaus dauerhaft anbieten kann. Die dahinterstehende Systemfrage lautet deshalb:

Welche Versorgung soll wo vorgehalten werden – und wie wird diese Vorhaltung finanziert?

Kurz gesagt: Die Krankenhausfinanzierung soll verändert werden, weil eine reine Orientierung an behandelten Fällen nicht ausreichend berücksichtigt, dass Krankenhäuser auch für das Bereithalten von Versorgung Kosten tragen. Wie genau die neue Finanzierung umgesetzt wird, befindet sich 2026 allerdings weiterhin in Anpassung.

22Wer bezahlt Medikamente – und wie fließt das Geld zur Pharmaindustrie?

Je nach Medikament tragen gesetzliche oder private Krankenversicherung und teilweise die Patienten selbst die Kosten. Das Geld gelangt über unterschiedliche Handels- und Vergütungsstufen zu Apotheken, Großhandel und Herstellern.

Arzneimittel genauer ansehen →
23Wer bezahlt eigentlich wen im Krankenhaus?

Auf der Einnahmeseite stehen unter anderem Erlöse für Behandlungen, Zuschläge und Fördermittel; auf der Ausgabenseite vor allem Personal sowie Medikamente, Medizintechnik, Energie, IT und weitere Betriebskosten.

Personalkosten im Krankenhaus vertiefen →
24Wofür gibt Deutschland im Gesundheitswesen besonders viel Geld aus?

Deutschland gab 2024 insgesamt 538,2 Milliarden Euro für Gesundheit aus. Das entspricht 6.444 Euro je Einwohner und 12,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Man kann diese Ausgaben aus zwei Blickwinkeln betrachten: Wo kommt das Geld an? – etwa im Krankenhaus, in der Arztpraxis oder Apotheke – und wofür wird es ausgegeben? – etwa für Pflege, ärztliche Behandlung oder Arzneimittel.

Wo kommt besonders viel Geld an?

  • Krankenhäuser: 131,6 Mrd. €
  • Apotheken: 71,6 Mrd. €
  • Arztpraxen: 71,2 Mrd. €
  • stationäre und teilstationäre Pflege: 52,2 Mrd. €
  • ambulante Pflege: 37,4 Mrd. €
  • Zahnarztpraxen: 32,1 Mrd. €

Und wofür wird das Geld ausgegeben?

Nach Leistungsarten waren 2024 pflegerische Leistungen mit 135,9 Mrd. € der größte einzelne Ausgabenblock. Es folgten ärztliche Leistungen mit 127,2 Mrd. € und Arzneimittel mit 85,1 Mrd. €.

Nicht addieren: Beide Darstellungen zeigen dasselbe Gesundheitsgeld aus unterschiedlichen Blickwinkeln – einmal nach Einrichtungen, einmal nach Leistungen.

Kurz gesagt: Es gibt nicht den einen großen Empfänger des Gesundheitsgeldes. Besonders große Summen fließen in Krankenhäuser, ambulante Versorgung und Pflege. Betrachtet man die Leistungen statt der Einrichtungen, stehen Pflege, ärztliche Behandlung und Arzneimittel ganz oben.

25Warum wird das Gesundheitswesen immer teurer?

Deutschlands Gesundheitsausgaben steigen seit Jahrzehnten. 2024 lagen sie bei 538,2 Milliarden Euro; zehn Jahre zuvor waren es 327,7 Milliarden Euro. Das ist nominal ein Anstieg um 64,2 Prozent. Ein Teil davon ist Preisentwicklung: 2024 stiegen die Ausgaben nominal um 7,6 Prozent, preisbereinigt um 3,9 Prozent.

Mehrere Entwicklungen wirken gleichzeitig

Pflege: Die Ausgaben für pflegerische Leistungen stiegen zwischen 2014 und 2024 von 65,0 auf 135,9 Milliarden Euro. Demografischer Wandel, höhere Personalkosten und gesetzliche Leistungsausweitungen wirken hier zusammen.

Personal: Gesundheitsversorgung ist personalintensiv. Steigen Löhne und Tarifvergütungen, steigen deshalb auch die Kosten der Versorgung.

Medizinischer Fortschritt: Neue Diagnostik, Therapien und Arzneimittel ermöglichen mehr Behandlung – können aber zusätzliche Ausgaben erzeugen. Die Arzneimittelausgaben stiegen zwischen 2014 und 2024 um 67,5 Prozent.

Mehr oder verbesserte Leistungen: Auch gesetzliche Entscheidungen können Ausgaben erhöhen, wenn mehr Menschen Anspruch auf Leistungen erhalten oder Leistungen besser vergütet werden. Steigende Ausgaben sind deshalb nicht automatisch ein Zeichen von Ineffizienz.

Verwaltung: Sie ist nicht der Haupttreiber. Wie FAQ 15 zeigt, macht die Verwaltung der Krankenkassen nur einen vergleichsweise kleinen Teil der GKV-Ausgaben aus.

Das eigentliche Finanzierungsproblem

Im ersten Quartal 2026 stiegen die GKV-Ausgaben um rund 7,6 Prozent, die Beitragseinnahmen ohne Zusatzbeiträge dagegen nur um rund 4,1 Prozent.

Was passiert, wenn die Ausgaben dauerhaft schneller wachsen als die Einnahmen, aus denen wir sie finanzieren?

Kurz gesagt: Das Gesundheitswesen wird nicht aus einem einzigen Grund teurer. Demografischer Wandel, steigende Personalkosten, medizinischer Fortschritt und neue Arzneimittel, Preissteigerungen sowie zusätzliche oder verbesserte Leistungen wirken gleichzeitig. Entscheidend ist deshalb nicht allein, wie viel mehr wir ausgeben, sondern auch: Was bekommen wir dafür – und wie finanzieren wir eine Versorgung, deren Ausgaben schneller wachsen als ihre Einnahmebasis?