SYSTEMATLAS

B04.R

SYSTEMATLAS · GESUNDHEIT · REHABILITATION

Was möchte ich wieder können?

Meine stationären oder ambulanten Behandlungsmöglichkeiten sind ausgeschöpft – und trotzdem ist der Weg zurück in Alltag, Selbstständigkeit, Beruf und Teilhabe noch nicht zu Ende.

VOM MENSCHEN AUS GEDACHT

Mein Weg durch die Rehabilitation

BEHANDLUNGWAS KANN ICH NICHT MEHR?REHA-BEDARFREHABILITATIONWAS KANN ICH DANACH?ZURÜCK INS LEBEN

Rehabilitation setzt dort an, wo Behandlung allein noch nicht genügt. Ihr Ziel ist nicht für jeden Menschen dasselbe: Fähigkeiten zurückgewinnen, Selbstständigkeit erhalten, wieder arbeiten oder mit einer bleibenden Einschränkung möglichst gut leben.

FRAGEN AUS SICHT DES MENSCHEN

Was passiert auf diesem Weg?

01Wie komme ich in eine Reha?
NACH OP ODER KRANKENHAUSAnschlussrehabilitation

Wenn direkt nach einer Krankenhausbehandlung Rehabilitation nötig ist, wird der Weg häufig schon im Krankenhaus gemeinsam mit dem Sozialdienst vorbereitet.

BESCHWERDEN BLEIBENMedizinische Rehabilitation

Bei länger anhaltenden gesundheitlichen Einschränkungen kann eine Reha beantragt oder – je nach Zuständigkeit – ärztlich verordnet werden.

SELBSTSTÄNDIGKEIT IST GEFÄHRDETReha vor oder bei Pflege

Auch wenn Pflegebedürftigkeit droht oder bereits besteht, kann geprüft werden, ob Rehabilitation Selbstständigkeit erhalten oder verbessern kann.

RENTENVERSICHERUNGinsbesondere Erwerbsfähigkeit
KRANKENKASSEmedizinische Rehabilitation
UNFALLVERSICHERUNGArbeitsunfall · Berufskrankheit
WEITERE TRÄGERje nach Lebenssituation
Wichtig: Der Mensch muss nicht zuerst das Sozialrecht vollständig durchschauen. Welcher Rehabilitationsträger zuständig ist, hängt von Anlass, Ziel und persönlicher Situation ab.
02Was soll meine Reha erreichen?
ICH MÖCHTE MICH WIEDER BEWEGEN KÖNNEN.
ICH MÖCHTE MEINEN ALLTAG WIEDER SELBST BEWÄLTIGEN.
ICH MÖCHTE WIEDER ARBEITEN KÖNNEN.
ICH MÖCHTE MIT EINER BLEIBENDEN EINSCHRÄNKUNG MÖGLICHST GUT LEBEN.

Reha-Erfolg bedeutet nicht für jeden Menschen dasselbe – und nicht zwingend Heilung. Entscheidend ist auch, welche Aktivitäten und welche Teilhabe im Alltag wieder möglich werden sollen.

03Wo findet meine Reha statt?
STATIONÄRIch lebe während der Reha in der Einrichtung.
GANZTÄGIG AMBULANTTagsüber Reha, abends zu Hause.
AMBULANTReha-Leistungen ohne stationären Aufenthalt.

Kann ich meine Reha-Einrichtung selbst wählen?

Ich kann mitentscheiden. Im Rahmen des Wunsch- und Wahlrechts können Wünsche zur Einrichtung, zum Zeitraum und zur Form der Rehabilitation angegeben werden. Medizinische Eignung, persönliche Lebenssituation, Erreichbarkeit, Wartezeit und Kapazität spielen bei der Entscheidung eine Rolle.

Quelle: Deutsche Rentenversicherung · Wunsch- und Wahlrecht

04Und wie komme ich dort hin?

Eine passende Reha-Einrichtung kann weit entfernt liegen. Dann werden sehr praktische Fragen wichtig: Bahn oder Auto? Brauche ich eine Begleitperson? Ist eine besondere Beförderung medizinisch erforderlich?

REISEKOSTENWie erreiche ich die bewilligte Reha?

Notwendige Reisekosten können Bestandteil der Reha-Leistung sein. Die konkreten Regeln hängen vom zuständigen Träger ab.

KRANKENBEFÖRDERUNGKann ich gesundheitlich überhaupt normal reisen?

Eine medizinisch notwendige besondere Beförderung ist von gewöhnlichen Reisekosten zu unterscheiden und muss mit dem zuständigen Kostenträger geklärt werden.

Wirkungsperspektive: Eine Leistung ist für mich nur erreichbar, wenn ich auch dorthin kommen kann.
05Was hilft mir, wieder etwas zu können?
THERAPIEBehandlung und Training

Die Rehabilitation verbindet je nach Bedarf medizinische, therapeutische und weitere Leistungen zu einem gemeinsamen Reha-Ziel.

HEILMITTELTherapie hilft mir, Fähigkeiten zu verbessern oder zu erhalten.

Zum Beispiel Physiotherapie, Ergotherapie oder Sprachtherapie.

HILFSMITTELTechnik unterstützt oder ersetzt eine Funktion.

Zum Beispiel Prothese, Orthese, Rollstuhl, Hörgerät oder Gehhilfe.

WIRKUNGSPERSPEKTIVE

Ein Hilfsmittel ist nicht dann erfolgreich, wenn es geliefert wurde – sondern wenn es dem Menschen hilft, sein Leben besser zu bewältigen.

06Was passiert nach der Reha?

Mit der Entlassung endet die Reha-Maßnahme – aber nicht unbedingt der Weg zurück in Alltag und Beruf.

Themenkarte zur Entlassung aus der Reha: Ein Mensch verlässt mit Koffer die Reha-Klinik. Rundherum stehen die möglichen nächsten Wege Hausarzt oder Facharzt, Heil- und Hilfsmittel, Reha-Nachsorge, stufenweise Wiedereingliederung, Rückkehr in den Beruf sowie Unterstützung oder Pflege. Darunter führt der Weg von Empfehlung und Information über Anschlussleistungen in den Alltag.

WIRKUNGSFRAGE

Endet eine erfolgreiche Reha mit meiner Entlassung – oder zeigt sich ihr Erfolg erst danach im Alltag?

07Und wenn die Reha ihr Ziel nicht erreicht?

Vielleicht kann ich nicht alles wieder, was ich vorher konnte. Dann braucht der Mensch einen nächsten Weg.

BISHERIGER BERUF GEHT NICHT MEHRTeilhabe am Arbeitsleben

Zum Beispiel Arbeitsplatzanpassung, Qualifizierung oder berufliche Neuorientierung.

ERWERBSFÄHIGKEIT BLEIBT EINGESCHRÄNKTErwerbsminderung prüfen

Wenn Rehabilitation Erwerbsfähigkeit nicht ausreichend erhalten oder wiederherstellen kann, kann die Rentenfrage relevant werden.

ALLTAG GEHT NICHT MEHR ALLEINUnterstützung und Pflege

Weitere Hilfen können notwendig werden, wenn Selbstständigkeit dauerhaft eingeschränkt bleibt.

GRUNDSATZREHA VOR RENTE

Bevor Erwerbsfähigkeit dauerhaft aufgegeben wird, soll geprüft werden, ob sie erhalten oder wiederhergestellt werden kann.

08Gibt es eigentlich noch die „Kur“?

Ja – aber „Kur“ und Reha sind nicht dasselbe. Der vertraute Alltagsbegriff kann unterschiedliche Vorsorge- und Rehabilitationsleistungen meinen.

VORSORGE / „KUR“Damit es möglichst nicht schlimmer wird.

Medizinische Vorsorge setzt früher an und führt als Querverbindung zurück zur Prävention.

REHABILITATIONDamit ich möglichst viel zurückgewinne oder erhalten kann.

Sie setzt an bestehenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen und deren Folgen an.

→ Querverbindung: Prävention

WAS LERNEN WIR DARAUS?

Rehabilitation zeigt, wie mehrere Teile des Sozialstaats ineinandergreifen.

REHA DENKT NICHT NUR IN DIAGNOSEN.

Entscheidend ist auch, was ein Mensch in seinem Alltag wieder können möchte.

REHA VERBINDET SYSTEME.

Gesundheitsversorgung, Rentenversicherung, Arbeitsleben, Pflege und gesellschaftliche Teilhabe treffen hier aufeinander.

DER MENSCH HAT MITSPRACHERECHTE.

Das Wunsch- und Wahlrecht berücksichtigt neben medizinischen Kriterien auch individuelle Bedürfnisse und Lebensumstände.

NICHT JEDE REHA KANN IHR ZIEL ERREICHEN.

Dann braucht der Mensch einen Anschlussweg – nicht das Ende der Versorgung.

DER BLICK AUFS GANZE SYSTEM

Reha funktioniert – aber im besten Fall brauche ich sie nicht.

Wo Rehabilitation gebraucht wird und gut funktioniert, ist sie eine wichtige Leistung des Sozialstaats. Gleichzeitig gilt es früher anzusetzen: Gesundheit erhalten, Risiken vermindern und Einschränkungen möglichst vermeiden oder hinauszögern.

PRÄVENTIONREHARENTE

Offene Systemfrage: Investiert das System an der richtigen Stelle – oder repariert es manches erfolgreich, das es früher vielleicht hätte verhindern können?

Noch nicht beantwortet: Wie groß ist der Anteil späterer Rehabilitationsbedarfe, der durch frühere wirksame Prävention oder medizinische Vorsorge vermeidbar oder zumindest hinauszögerbar wäre?

WIRKUNGSFRAGE

Hilft mir Rehabilitation, möglichst viel von meinem selbstständigen Leben zurückzugewinnen – und trägt mich das System auch dann weiter, wenn das nicht vollständig gelingt?