Aus einzelnen Zugängen entstanden schrittweise mehr Koordination, einheitliche Rufnummern, Terminvermittlung, Ersteinschätzung und geplante Vernetzung.
SYSTEMATLAS · GESUNDHEIT
REFORMATLAS · PROBLEMSPUR 04
Den richtigen Weg finden
Mir geht es nicht gut. Was mache ich jetzt? Hausarzt, Facharzt, 116117, Notaufnahme, 112 oder virtueller Kontakt: Das Gesundheitswesen hat viele Eingänge. Die Reformgeschichte zeigt, wie das System Menschen zunehmend dabei helfen soll, die passende Versorgung zu finden.
HEUTIGES SYSTEM
Welche Wege gibt es heute?
Wie Hausarztversorgung, Facharztversorgung und Notfallversorgung heute funktionieren, zeigen die entsprechenden Bereiche im Systematlas Gesundheit.
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DIE REFORMSPUR
Was wurde wann verändert?
Wir schauen wieder auf dieselben vier Fragen: Warum? · Was wurde geändert? · Was änderte sich dadurch? · Was blieb offen?
Der Hausarzt soll stärker koordinieren können
Warum? Menschen suchen unterschiedliche Ärzte und Einrichtungen auf. Informationen und Behandlungswege können dadurch unübersichtlich werden.
Geändert: Die hausarztzentrierte Versorgung wurde gesetzlich verankert. Wer freiwillig teilnimmt, wählt einen Hausarzt als erste Anlaufstelle und lässt weitere Behandlungsschritte stärker über ihn koordinieren.
Dadurch: Ein freiwilliger Weg entstand, bei dem eine vertraute Praxis die Versorgung stärker zusammenhält.
Offen: Die hausarztzentrierte Versorgung wurde kein allgemeiner Zugangsweg für alle. Außerhalb solcher Modelle blieb es vielfach beim Menschen, den passenden Einstieg selbst zu wählen.
Eine Nummer weist zum ärztlichen Bereitschaftsdienst
Warum? Außerhalb der Sprechzeiten gab es regional viele unterschiedliche Telefonnummern für den ärztlichen Bereitschaftsdienst.
Geändert: Mit der 116117 entstand ein bundesweit einheitlicher telefonischer Zugang zum ärztlichen Bereitschaftsdienst.
Dadurch: Wer außerhalb der Praxiszeiten ärztliche Hilfe brauchte, musste nicht mehr zuerst die örtlich richtige Bereitschaftsdienstnummer kennen.
Offen: Neben 116117 bestanden weiterhin andere Zugänge wie Hausarzt, Facharzt, Notaufnahme und 112. Die Frage, welcher Weg im konkreten Fall passt, blieb.
Das System hilft, einen Termin zu finden
Warum? Den richtigen Facharzt zu kennen hilft wenig, wenn zeitnah kein Termin erreichbar ist.
Geändert: Die Kassenärztlichen Vereinigungen wurden verpflichtet, Terminservicestellen zu betreiben und unter bestimmten Voraussetzungen Facharzttermine zu vermitteln.
Dadurch: Der Zugang bekam eine neue Aufgabe: nicht nur sagen, wohin man gehen kann, sondern beim tatsächlichen Hineinkommen helfen.
Offen: Terminvermittlung löst nicht automatisch die Frage, welche Versorgung für ein gesundheitliches Problem medizinisch die richtige ist.
Beratung, Vermittlung und Akuthilfe rücken zusammen
Warum? Menschen sollten bei Terminproblemen und akuten Beschwerden leichter einen gemeinsamen Zugang finden.
Geändert: Die Terminservicestellen wurden ausgebaut. Seit 2020 sind sie über die 116117 rund um die Uhr erreichbar; hinzu kamen unter anderem die Vermittlung zu Haus- und Kinderärzten sowie die Weiterleitung von Akutfällen in geeignete Versorgungsangebote.
Dadurch: Aus einer Bereitschaftsdienstnummer wurde schrittweise ein breiterer Patientenservice mit Telefon-, Online- und App-Zugängen.
Offen: 116117 und 112 sowie ambulante und stationäre Notfallstrukturen blieben noch nicht durchgängig zu einem gemeinsamen Steuerungssystem verbunden.
Der Zugang soll stärker einschätzen und weiterleiten
Warum? Hilfesuchende müssen bei akuten Beschwerden häufig selbst zwischen 116117, 112 und Notaufnahme wählen. Diese Bereiche sind bislang nicht durchgängig miteinander vernetzt.
Geplant: Der vom Bundeskabinett beschlossene Entwurf zur Notfallreform sieht eine stärkere Vernetzung von 116117, Rettungsleitstellen und Notaufnahmen sowie standardisierte Ersteinschätzung vor. Auch weitere virtuelle Zugangswege für ein künftiges Primärversorgungssystem werden vorbereitet.
Dadurch könnte sich ändern: Menschen würden häufiger ihr Problem schildern – und das System würde stärker dabei helfen, die passende Versorgungsebene zu bestimmen und den Zugang dorthin zu vermitteln.
Offen: Die Reform ist noch nicht vollständig umgesetzt. Außerdem bleibt die grundsätzliche Frage, wie viel Steuerung sinnvoll ist und wie viel Wahlfreiheit beim Menschen bleiben soll.
REFORMSCHLEIFE
Was zieht sich durch die Reformgeschichte?
Die Reformen verändern schrittweise, wer den passenden Versorgungsweg finden muss. Aus einzelnen Eingängen entstehen zunehmend Angebote, die Menschen nicht nur informieren, sondern sie gezielter zur passenden Versorgung führen sollen.
LERNSCHRITT
Der Mensch muss den richtigen Weg immer weniger allein finden.
Je stärker das System beim Einschätzen, Vermitteln und Weiterleiten hilft, desto weniger Vorwissen braucht der Mensch über Zuständigkeiten und Einrichtungen. Gleichzeitig entsteht eine neue Gestaltungsfrage: Wann wird hilfreiche Orientierung zu verbindlicher Steuerung?
Wie viel Entscheidung soll beim Menschen bleiben – und wann ist es sinnvoll, dass das Gesundheitssystem ihm den Weg weist?
REFORM-CHECK · SPUR 04
Was haben wir angeschaut?
Menschen müssen nicht mehr jeden Versorgungsweg und jede Zuständigkeit selbst kennen. Das System übernimmt zunehmend Orientierung und Vermittlung.
Es gibt weiterhin mehrere Zugänge. Nicht jede Steuerung gilt für alle Menschen und Situationen, und ausreichende Versorgungskapazität lässt sich durch Wegweisung allein nicht schaffen.
Wie lässt sich Orientierung so organisieren, dass Menschen leichter passende Hilfe finden, ohne Wahlmöglichkeiten unnötig einzuschränken?
QUELLEN · AUSWAHL
Für diese Reformspur wurden insbesondere Unterlagen des Bundesgesundheitsministeriums zur hausarztzentrierten Versorgung, zum Terminservice- und Versorgungsgesetz und zur Notfallreform sowie Informationen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung zur 116117 und zu den Terminservicestellen verwendet. Der Reformstand 2026 wird ausdrücklich als noch nicht vollständig umgesetzt gekennzeichnet.