SYSTEMATLAS · PRÄVENTION · BEREICH 03

Was wirkt tatsächlich?

Evidenz, Reichweite und Wirtschaftlichkeit.

FRAGEN & ANTWORTEN

03 · Was wirkt tatsächlich?

Evidenz, Reichweite und Wirtschaftlichkeit.

19Woher wissen wir, ob Prävention wirkt?

Das ist schwieriger, als es zunächst klingt. Bei manchen Maßnahmen lässt sich Wirkung vergleichsweise gut untersuchen. Bei anderen können Jahre oder Jahrzehnte zwischen Maßnahme und möglichem gesundheitlichem Nutzen liegen.

Deshalb braucht Prävention wissenschaftliche Studien, langfristige Beobachtungen, Evaluation und manchmal Modellrechnungen. Eine hohe Teilnehmerzahl allein beweist noch keine gesundheitliche Wirkung.

„Klingt gesund“ ist noch kein Wirksamkeitsnachweis.

Quelle / Vertiefung: WHO: Tackling NCDs – Best Buys

20Welche Präventionsmaßnahmen wirken besonders gut?

Es gibt keine ewige Rangliste. Aber für einige Maßnahmen ist der gesundheitliche Nutzen besonders gut belegt.

Dazu gehören beispielsweise Impfungen, Maßnahmen gegen Tabakkonsum, bestimmte Maßnahmen gegen schädlichen Alkoholkonsum sowie Prävention und Behandlung wichtiger Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Gute Prävention kann medizinisch sein – muss es aber nicht sein.

Quelle / Vertiefung: WHO: Tackling NCDs – Best Buys

21Was wirkt besser – Verhalten ändern oder Verhältnisse verändern?

Beides kann sinnvoll sein. Ein Gesundheitskurs kann einen einzelnen Menschen unterstützen. Eine Veränderung der Lebensbedingungen kann dagegen sehr viele Menschen gleichzeitig erreichen.

Ein Rauchverbot schützt beispielsweise auch Menschen, die niemals an einem Nichtraucherkurs teilnehmen würden. Eine bewegungsfreundliche Kommune erleichtert körperliche Aktivität im Alltag.

Die Frage lautet nicht: Verhalten oder Verhältnisse? Sondern: Welche Kombination erreicht bei einem konkreten Problem die beste Wirkung?

Quelle / Vertiefung: WHO: Tackling NCDs – Best Buys

22Erreichen Präventionsangebote alle Menschen gleich?

Nein. Ein Angebot kann für alle offen sein und trotzdem bestimmte Menschen besser erreichen als andere.

Arbeitszeiten, Betreuungspflichten, Sprache, Mobilität oder finanzielle und soziale Belastungen können die Teilnahme erschweren. Angebote in Lebenswelten haben deshalb einen besonderen Vorteil: Eine Schule erreicht Kinder unabhängig davon, ob ihre Eltern selbst einen Präventionskurs gesucht hätten.

Ein Angebot für alle ist noch kein Angebot, das alle erreicht.

Quelle / Vertiefung: § 20 SGB V

23Kann Prävention gesundheitliche Unterschiede sogar vergrößern?

Das kann passieren. Wenn vor allem gut informierte, gesundheitsbewusste und zeitlich flexible Menschen eine wirksame Maßnahme nutzen, Menschen mit größeren Belastungen aber kaum erreicht werden, können gesundheitliche Unterschiede bestehen bleiben oder größer werden.

Deshalb verpflichtet das SGB V die Krankenkassen ausdrücklich dazu, mit ihren Präventionsleistungen auch sozial bedingte und geschlechtsbezogene Ungleichheiten von Gesundheitschancen zu vermindern.

Für die Bewertung reicht nicht: Wie viele haben teilgenommen? Wir müssen auch fragen: Wen haben wir erreicht – und wen nicht?

Quelle / Vertiefung: § 20 SGB V

24Ist Früherkennung immer besser?

Nein. Früherkennung kann großen Nutzen haben, wenn eine Erkrankung früh entdeckt und dadurch erfolgreicher behandelt werden kann.

Untersuchungen können aber auch Nachteile haben: falsche Verdachtsbefunde, unnötige Folgeuntersuchungen oder Überdiagnosen – also die Entdeckung von Veränderungen, die einem Menschen möglicherweise nie Beschwerden bereitet hätten.

Früher finden ist nur dann besser, wenn früher finden tatsächlich einen Vorteil bringt.

Quelle / Vertiefung: G-BA: Früherkennung

25Ist mehr Prävention automatisch besser?

Nein. Eine Maßnahme kann gut gemeint und trotzdem wenig wirksam sein. Sie kann die falsche Zielgruppe erreichen, nur kurzfristig wirken oder gemessen an Aufwand und Nutzen ungünstig sein.

Prävention ist kein Qualitätsmerkmal. Entscheidend ist, was eine konkrete Maßnahme tatsächlich bewirkt.

Eine Maßnahme ist nicht erfolgreich, weil sie stattgefunden hat.

Quelle / Vertiefung: WHO: Tackling NCDs – Best Buys

26Spart Prävention Gesundheitskosten?

Manchmal – aber längst nicht immer.

Fachleute unterscheiden zwischen kostensparend – die Maßnahme spart insgesamt mehr Kosten ein, als sie verursacht – und kosteneffektiv – die gesundheitlichen Verbesserungen stehen in einem angemessenen Verhältnis zu den zusätzlichen Kosten.

Außerdem kann der Nutzen außerhalb der Krankenversicherung entstehen: weniger Arbeitsausfall, länger erhaltene Erwerbsfähigkeit oder möglicherweise später eintretende Pflegebedürftigkeit.

Prävention kann Kosten vermeiden. Ihr wichtigster Nutzen ist aber zunächst bessere Gesundheit – nicht automatisch ein billigeres Gesundheitssystem.

Quelle / Vertiefung: WHO/European Observatory: Economic case