SYSTEMATLAS · PRÄVENTION · BEREICH 01

Was ist Prävention?

Begriffe, Stufen und Lebenswelten verstehen.

FRAGEN & ANTWORTEN

01 · Was ist Prävention?

Begriffe, Stufen und Lebenswelten verstehen.

01Was bedeutet Prävention?

Prävention bedeutet: möglichst verhindern, dass Krankheiten entstehen – oder dafür sorgen, dass sie früh erkannt werden und möglichst wenig Folgen haben.

Das klingt zunächst nach Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen oder Gesundheitskursen. Prävention ist aber erheblich größer. Sie kann beim einzelnen Menschen ansetzen: nicht rauchen, sich bewegen, Impfangebote wahrnehmen oder mit einer chronischen Erkrankung so umgehen, dass Folgeschäden möglichst vermieden werden.

Sie kann aber ebenso die Bedingungen verändern, unter denen Menschen leben: Arbeitsschutz, Nichtraucherschutz, Bewegungsmöglichkeiten in einer Kommune oder gesundheitsförderliche Bedingungen in Kita und Schule. Prävention findet deshalb nicht nur beim Arzt statt. Sie reicht in Familie, Bildung, Arbeit, Kommune und Pflege hinein.

Prävention versucht nicht nur Krankheit zu verhindern. Sie fragt auch, was Menschen dabei hilft, möglichst lange gesund und selbstständig zu bleiben.

Quelle / Vertiefung: RKI: Prävention

02Was sind Primär-, Sekundär- und Tertiärprävention?

Die Begriffe beschreiben vor allem, wann Prävention ansetzt.

Primärprävention beginnt, bevor eine Krankheit entstanden ist – etwa mit Impfungen oder Bewegungsförderung. Sekundärprävention soll Erkrankungen oder Vorstufen möglichst früh erkennen. Tertiärprävention setzt ein, wenn eine Krankheit bereits besteht und Verschlechterungen, Komplikationen oder weitere Krankheitsereignisse möglichst vermieden werden sollen.

Kurz gesagt: vorher verhindern → früh erkennen → Folgen begrenzen. Prävention endet nicht mit einer Diagnose.

Quelle / Vertiefung: RKI: Prävention

03Ist Früherkennung dasselbe wie Vorsorge?

Im Alltag werden beide Begriffe häufig gleich verwendet. Medizinisch lohnt sich eine genauere Unterscheidung.

Eine Impfung kann tatsächlich verhindern, dass eine bestimmte Erkrankung entsteht. Eine Krebsfrüherkennung verhindert dagegen zunächst nicht den Krebs. Sie soll eine Erkrankung oder Vorstufe möglichst früh entdecken, damit gegebenenfalls früher behandelt werden kann.

Verhindern ist nicht dasselbe wie früh erkennen. Beides kann Prävention sein – aber mit unterschiedlichen Zielen.

Und auch Früherkennung ist nicht automatisch sinnvoll, nur weil etwas früher gefunden werden kann. Darauf kommen wir in FAQ 24 zurück.

Quelle / Vertiefung: RKI: Vorsorge und Früherkennung

04Was unterscheidet Prävention von Gesundheitsförderung?

Beide Begriffe liegen nah beieinander. Vereinfacht kann man sagen: Prävention schaut stärker auf Risiken – was können wir vermeiden oder vermindern? Gesundheitsförderung schaut stärker auf Ressourcen – was hilft Menschen und Gemeinschaften dabei, Gesundheit zu erhalten und zu stärken?

In der Praxis lassen sich beide Ansätze häufig kaum voneinander trennen. Deshalb behandelt auch das Präventionsgesetz von 2015 ausdrücklich Gesundheitsförderung und Prävention gemeinsam.

Quelle / Vertiefung: BMG: Präventionsgesetz

05Ist Gesundheit nur Privatsache?

Nein – aber sie ist auch nicht allein Aufgabe des Staates.

Menschen treffen viele Entscheidungen selbst. Aber Gesundheit entsteht nicht ausschließlich durch persönliche Entscheidungen. Auch Einkommen, Bildung, Arbeitsbedingungen, Wohnumfeld, Umwelt, soziale Beziehungen oder die Möglichkeiten, gesundheitsförderliche Angebote überhaupt wahrzunehmen, spielen eine Rolle.

Krankheiten können trotz gesundheitsbewussten Verhaltens entstehen.

Gesund leben muss man selbst. Aber wie leicht oder schwer das ist, hängt auch von den Verhältnissen ab.

Quelle / Vertiefung: RKI: Prävention

06Was sind Verhaltens- und Verhältnisprävention?

Verhaltensprävention setzt beim einzelnen Menschen an – etwa mit Bewegung, Ernährungsberatung, Rauchstopp, Stressbewältigung oder Gesundheitsinformationen.

Verhältnisprävention setzt bei den Bedingungen an, unter denen Menschen leben – etwa mit Nichtraucherschutz, Arbeitsschutz, sicheren Rad- und Fußwegen oder gesundheitsförderlichen Schulen.

Verhaltensprävention fragt: Was kann der Mensch verändern?
Verhältnisprävention fragt: Was können wir an seinen Lebensbedingungen verändern?

Quelle / Vertiefung: RKI: Prävention

07Wo und für wen findet Prävention statt?

Im Prinzip während des gesamten Lebens.

Schwangerschaft/Geburt → Kindheit → Schule → Ausbildung/Arbeit → Alter → Pflege

Dabei verändern sich die Aufgaben. Deshalb findet Prävention nicht nur in Arztpraxen statt, sondern auch in Kitas, Schulen, Betrieben, Kommunen und Pflegeeinrichtungen.

Gerade bei Kindern gilt: Gesundheitschancen beginnen lange bevor ein Mensch selbst über seinen Lebensstil entscheiden kann.

Quelle / Vertiefung: BMG: Präventionsgesetz

08Kann Prävention Pflegebedürftigkeit verhindern?

Manchmal kann sie dazu beitragen – grundsätzlich verhindern kann sie Pflegebedürftigkeit nicht.

Pflegebedürftigkeit kann viele Ursachen haben: Erkrankungen, Behinderungen, Unfälle, altersbedingte Veränderungen oder genetische Faktoren. Prävention kann aber helfen, bestimmte Erkrankungen hinauszuzögern, Stürze zu vermeiden oder körperliche Fähigkeiten länger zu erhalten.

Prävention kann das Risiko von Pflegebedürftigkeit verringern oder ihren Eintritt hinauszögern. Sie kann nicht versprechen, Pflegebedürftigkeit zu verhindern.

Quelle / Vertiefung: BMG: Präventionsoffensive