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SYSTEMPRÜFUNG · ePA

ePA · KAPITEL 06 „ZWISCHENBILANZ“

Vertiefung: Systemprüfung
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PROBLEM → ZIEL → WIRKUNG → ALTERNATIVE

Die ePA noch einmal vom Problem her gedacht.

Die Akte ist da. Aber welche Aufgabe sollte sie eigentlich lösen – und was können wir heute über ihre Wirkung sagen?

Diese Systemprüfung verbindet historische Recherche, vorhandene Daten aus dem Systematlas und den anonymisierten Praxistest. Sie ist keine Abrechnung mit der ePA. Sie prüft, was belegt ist, was offen bleibt und welche anderen Lösungswege denkbar wären.

01 · PROBLEM

Gesundheitsinformationen waren – und sind – verteilt.

Hausarzt, Facharzt, Krankenhaus, Labor, Radiologie und Apotheke arbeiten mit eigenen Informationssystemen. Beim Wechsel zwischen Einrichtungen können Befunde fehlen, verspätet ankommen oder erneut erhoben werden.

BEFUNDDas Ausgangsproblem ist real. Ein moderner Informationsfluss im Gesundheitswesen braucht digitale Unterstützung.

02 · VERSPRECHEN

Bessere Information – und weniger unnötige Doppeluntersuchungen.

Schon in den frühen 2000er-Jahren wurden bessere Informationsverfügbarkeit, Arzneimittelsicherheit und die Verringerung von Doppelbehandlungen als erwartete Vorteile der elektronischen Vernetzung genannt. 2004 ging die Bundesregierung von mindestens einer Milliarde Euro jährlicher Einsparung aus einem Bündel verschiedener Effekte aus – erklärte zugleich aber, das genaue Einsparpotenzial sei damals nicht bezifferbar.

Eine belastbare damalige Rechnung, wie viele medizinisch tatsächlich verzichtbare Wiederholungsuntersuchungen elektronisch verfügbare Vorbefunde verhindern würden, haben wir in unserer Recherche nicht gefunden.

DAZUGELERNTDie Wirklogik war plausibel. Gerade das eingängige Einsparversprechen „Doppeluntersuchungen vermeiden“ war jedoch weniger präzise quantifiziert, als die politische Kurzform vermuten lässt.

Quelle: Deutscher Bundestag, Drucksache 15/2810, 30.03.2004 ↗

03 · 20 JAHRE ENTWICKLUNG

Die ePA ist nicht die Entscheidung eines einzelnen Ministers.

2003Gesetzlicher Startpunkt

Elektronische Gesundheitskarte und spätere Anwendungen werden politisch verankert.

2005gematik

Die Selbstverwaltung übernimmt zentrale Aufgaben beim Aufbau der Infrastruktur.

2015Mehr Umsetzungsdruck

Fristen und Vorgaben sollen die Digitalisierung beschleunigen.

201951 % Bund

Der Bund übernimmt die Mehrheit an der gematik und damit stärkeren Einfluss auf die Umsetzung.

2021ePA wird angeboten

Gesetzliche Krankenkassen stellen ihren Versicherten die ePA bereit.

2025ePA für alle

Aus dem aktiven Opt-in wird grundsätzlich eine Akte mit Widerspruchsmöglichkeit.

SYSTEMFRAGEBeratung, politische Entscheidung, technische Umsetzung und Finanzierung liegen bei unterschiedlichen Akteuren. Wer Verantwortung prüfen will, muss diese Ebenen auseinanderhalten.

04 · VOM VERSPRECHEN ZUR WIRKUNG

Was können wir 2026 tatsächlich sagen?

DEUTLICHE HINWEISEInformation schneller und umfassender verfügbar
KONKRETER PROZESSNUTZENMedikationsrisiken können besser erkannt werden
NOCH NICHT QUANTIFIZIERTVermiedene Doppeluntersuchungen durch die deutsche ePA
GEMISCHTE BEFUNDEEntlastung von Praxen und Behandlern
OFFENWirtschaftlicher Nettonutzen insgesamt

Nutzung ist noch keine Wirkung. Angelegte Akten, eingestellte Dokumente und Zugriffe zeigen, dass die Infrastruktur genutzt wird. Für die entscheidende Frage – welche Versorgung dadurch tatsächlich besser wurde – braucht es zusätzliche Wirkungsforschung.

Zum vorhandenen Zoom „Nutzung & Wirkung“ → Zum Kassensturz →

05 · PRAXISTEST

Zwischen „Die Akte ist da“ und „Die Information hilft“ liegen mehrere Schritte.

Der anonymisierte L.S.-Praxistest zeigt keine gescheiterte ePA. Er zeigt eine Infrastruktur im Aufbau – mit Zugangshürden, unvollständiger historischer Information und der Frage, wann ein gespeicherter Befund beim nächsten Behandlungsschritt tatsächlich nutzbar wird.

REINKOMMEN→VORFINDEN→VERSTEHEN→WEITERGEBEN→NUTZEN
Praxistest öffnen →

06 · WAS WÄRE, WENN?

Wenn wir 2026 noch einmal bei null anfangen könnten?

Dann würden wir nicht zuerst fragen, wie eine Patientenakte aussehen soll. Wir würden fragen, wie eine medizinisch relevante Information zuverlässig mit dem Patienten durch das Gesundheitssystem wandert.

AInstitutioneller Austausch

Behandler tauschen relevante Informationen direkt aus.

BHeutige ePA-Logik

Ein zusätzlicher patientenbezogener Informationsraum führt Daten zusammen.

CPatientengeführte Akte

Der Patient erhält und verwaltet seine Gesundheitsinformationen selbst.

DHybridmodell

Der Befund folgt automatisch dem Behandlungsweg und geht gleichzeitig an den Patienten.

L.S.-HYPOTHESEDie Akte sollte das Ergebnis eines funktionierenden Informationsflusses sein – nicht dessen Ersatz.

Das Hybridmodell ist keine fertige Reformempfehlung. Es ist eine Alternative, die gegen dieselben Anforderungen geprüft werden müsste wie die heutige ePA.

07 · VORLÄUFIGES ERGEBNIS

War die ePA ein Fehler?

Nein – so einfach ist die Antwort nicht.

PROBLEMreal
DIGITALISIERUNGnotwendig
GRUNDIDEE ePAplausibel
INFORMATIONSNUTZENsichtbar
SPARWIRKUNGnicht ausreichend belegt
BESTE ARCHITEKTUR?offen
Die Entscheidung zur Digitalisierung des medizinischen Informationsflusses war nachvollziehbar und notwendig. Ob die heutige ePA dafür bereits die beste, einfachste und wirtschaftlichste Architektur darstellt, ist 2026 noch nicht abschließend belegt.

Das Ziel scheint robuster als der gewählte Weg.

NOCH NICHT ZU ENDE GELERNT

Die Wirkungsprüfung läuft weiter.

Das Forschungsprojekt ePA4all unter Leitung der Charité untersucht über drei Jahre, wie die ePA im Versorgungsalltag genutzt wird, welche Hürden bestehen und welche Faktoren ihre erfolgreiche Anwendung fördern oder behindern. Die Fragebogenerhebungen 2026 sind inzwischen beendet; die Forschung läuft weiter.

Neue belastbare Ergebnisse sollen in diese Systemprüfung einfließen.

Quellen: Charité – ePA4all ↗ · KBV, 11.06.2026 ↗

ENDE DER VERTIEFUNG

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