PFLEGEVORSORGE · WOHNEN · NACHHALTIGKEIT
Universal Design – ein Haus für das ganze Leben
Die vertrauten vier Wände
Viele Menschen wünschen sich, auch bei Krankheit, Behinderung oder zunehmendem Alter möglichst lange in ihrem vertrauten Zuhause leben zu können.
Sie kennen jeden Winkel ihrer Wohnung. Sie wissen, wo Türen sind, wie viele Stufen eine Treppe hat und welchen Weg sie selbst im Dunkeln finden. Diese Vertrautheit gibt Sicherheit und Orientierung.
Doch was geschieht, wenn genau diese vertraute Umgebung eines Tages zum Hindernis wird? Wenn die Treppe nicht mehr zu bewältigen ist, die Badezimmertür zu schmal oder der Einstieg in die Dusche zu hoch?
Dann stehen Menschen möglicherweise vor einer schwierigen Entscheidung: die Wohnung aufwendig umbauen, auf zusätzliche Hilfe angewiesen sein oder das vertraute Zuhause verlassen.
Müssten wir unsere Häuser nicht von Anfang an so bauen, dass wir möglichst lange darin leben können – auch wenn sich unser Leben verändert?
Universal Design – was steckt dahinter?
Universal Design bedeutet, Gebäude, Räume und Einrichtungen von Anfang an so zu gestalten, dass möglichst viele Menschen sie nutzen können – unabhängig von Alter, körperlichen Fähigkeiten oder individuellen Einschränkungen.
Es geht nicht allein um ältere oder pflegebedürftige Menschen.
Auch Kinder mit Behinderungen, Familien mit Kinderwagen, Menschen nach einem Unfall oder mit vorübergehenden Bewegungseinschränkungen profitieren von einer durchdachten Gestaltung.
Ein stufenloser Hauseingang, ausreichend breite Türen, gut erreichbare Bedienelemente oder ein Badezimmer ohne unnötige Hindernisse können den Alltag für viele Menschen erleichtern.
Universal Design ist dabei mehr als Barrierefreiheit im engeren Sinne. Es verbindet Zugänglichkeit mit einfacher Bedienbarkeit, Flexibilität und langfristiger Nutzbarkeit.
Warum beschäftigen wir uns damit?
Wer ein Haus baut, denkt an vieles: Energieverbrauch, Heiztechnik, Raumaufteilung, Ausstattung und natürlich an die Kosten.
Aber wie häufig wird dabei gefragt, ob das Haus auch noch in 20, 30 oder 40 Jahren zu den Menschen passt, die darin leben?
Und was ist mit dem Wohnungsbau insgesamt?
Gerade im sozialen Wohnungsbau wird über Möglichkeiten diskutiert, günstiger zu bauen. Dabei stellt sich die Frage, welche Einsparungen sinnvoll sind – und welche später zusätzliche Kosten oder Einschränkungen verursachen könnten.
Eine Wohnung sollte nicht nur bei ihrer Fertigstellung bezahlbar sein. Sie sollte möglichst lange gut nutzbar bleiben.
Auch das ist Nachhaltigkeit.
Was wir untersuchen wollen
Wir haben uns vorgenommen, das Thema aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu betrachten.
Was bedeutet barrierefreies Bauen?
Welche Anforderungen gibt es bereits? Was regeln die DIN-Normen und die Bauordnungen? Und worin unterscheidet sich Universal Design von den gesetzlichen Mindeststandards?
Wie wohnen wir heute – und was brauchen wir künftig?
Wie viele barrierefreie Wohnungen gibt es? Für wen sind sie besonders wichtig? Und wie verändert sich der Bedarf durch den demografischen Wandel und unterschiedliche Lebenssituationen?
Was kostet vorausschauendes Bauen?
Welche Mehrkosten entstehen tatsächlich, wenn Barrierefreiheit bereits beim Neubau berücksichtigt wird? Was kostet es dagegen, Wohnungen später umzubauen? Und welche langfristigen Folgen könnten sich für Pflege, Gesundheit und öffentliche Haushalte ergeben?
Wie könnte der Staat vorausschauendes Bauen fördern?
Welche Fördermöglichkeiten gibt es bereits? Könnten steuerliche Vergünstigungen, Zuschüsse oder günstigere Darlehen dazu beitragen, dass private Bauherren und Wohnungsunternehmen stärker auf langfristige Nutzbarkeit achten?
Einfacher bauen und trotzdem nachhaltig?
Wie passen neue Konzepte für kostengünstigeres Bauen, etwa der Gebäudetyp E, zu den Grundsätzen des Universal Design? Wo lassen sich Kosten sparen, ohne die langfristige Nutzbarkeit einzuschränken?
Was sagt die Baupraxis?
Welche Erfahrungen machen Architektinnen und Architekten? Was wünschen sich Bauherren? Welche Lösungen haben sich bewährt – und welche Hindernisse gibt es bei der Umsetzung?
Unsere Denkwerkstatt: Wie wollen wir künftig bauen?
Wir möchten nicht nur bestehende Regeln und Förderprogramme erklären. Wir wollen auch darüber nachdenken, wie sich der Wohnungsbau weiterentwickeln könnte.
Sollte Universal Design künftig ein selbstverständliches Qualitätsmerkmal beim Neubau werden – ähnlich wie Energieeffizienz?
Sollte öffentlich geförderter Wohnraum besonders hohe Anforderungen an langfristige Nutzbarkeit erfüllen?
Und wäre es sinnvoll, Bauherren finanziell zu unterstützen, wenn sie schon heute an die Bedürfnisse von morgen denken?
Auf diese Fragen haben wir noch keine fertigen Antworten.
In unserer Denkwerkstatt sammeln wir Überlegungen, prüfen Ideen und machen sichtbar, wie sich unsere Erkenntnisse entwickeln.
Sechs offene Fragen zu Bauen, Wohnen und Pflegevorsorge – in unserer eigenen Denkwerkstatt.
Zur Denkwerkstatt →Ein Thema, das mit uns wächst
Die Grundlagen zu Normen und gesetzlichen Anforderungen sowie zu Wohnungsbestand und Bedarf haben wir bereits recherchiert. Weitere Untersuchungen zu Baukosten, Förderung und praktischen Erfahrungen werden folgen.
Wir ergänzen diese Seite Schritt für Schritt, sobald neue Ergebnisse fachlich geprüft sind.
Denn beim Lernenden Sozialstaat geht es nicht darum, auf alles sofort eine Antwort zu haben.
Es geht darum, die richtigen Fragen zu stellen, Zusammenhänge zu verstehen und mögliche Veränderungen durchzudenken.