Zum Beispiel mit Stress umgehen, Entspannung finden und eigene Ressourcen stärken.
Psychische Gesundheit
Wenn noch niemand krank ist
Psychische Gesundheit verändert sich nicht erst mit einer Diagnose.
Belastungen gehören zum Leben: Streit, Trennung, Verlust, Überforderung, Einsamkeit oder dauernder Stress können uns aus dem Gleichgewicht bringen. Kinder können anders reagieren als Erwachsene – und Menschen gehen mit derselben Belastung unterschiedlich um.
Nicht jede Belastung macht krank. Aber manches lässt sich auffangen, bevor daraus eine Erkrankung wird.
01 · GESUND BLEIBEN
Was hält psychisch gesund?
Psychische Gesundheit hängt nicht allein davon ab, wie gut ein Mensch selbst mit Belastungen umgehen kann. Auch seine Lebensbedingungen spielen eine Rolle: verlässliche Beziehungen, soziale Kontakte, Sicherheit, Bewegung und Erholung, Möglichkeiten zur Teilhabe – aber ebenso Arbeitsbedingungen, Familie, Kita, Schule oder Wohnumfeld.
Gesundheitsförderliche Bedingungen in Lebenswelten wie Kita, Schule, Betrieb oder Kommune schaffen.
02 · VERÄNDERUNGEN WAHRNEHMEN
Woran merken wir, dass sich etwas verändert?
Bei Erwachsenen können zum Beispiel Schlafprobleme, Rückzug, Angst, Erschöpfung, Reizbarkeit oder einfach das Gefühl auftreten: Irgendetwas stimmt nicht.
Bei Kindern kann es schwieriger sein. Sie können möglicherweise noch gar nicht sagen, was sie belastet.
Er wird impulsiv und gerät häufiger in Konflikte.
Sie zieht sich zurück und fällt kaum auf.
Beide Verhaltensänderungen können auf eine Belastung hinweisen. Sie müssen es aber nicht.
L.S.-FRAGE
Muss ein Kind erst für andere zum Problem werden, damit sein eigenes Problem gesehen wird?
03 · BEOBACHTEN
Wer kann Veränderungen bemerken?
„Basti zieht sich seit einigen Wochen zurück.“ ist eine Beobachtung. „Basti hat eine psychische Störung.“ wäre eine Diagnose. Zwischen beidem liegt fachliche Abklärung.
Auch Wahrnehmung ist nicht völlig neutral. Erwartungen an Alter, Geschlecht, Verhalten, Herkunft oder „Normalität“ können beeinflussen, was Erwachsene als auffällig ansehen.
L.S.-FRAGE
Wie erkennen wir früh, dass jemand Hilfe braucht – ohne Anderssein vorschnell zur Krankheit zu erklären?
04 · FRÜH ERKENNEN
Was tut das Gesundheitssystem?
Vorsorgeuntersuchungen und Gespräche beim Kinder- und Jugendarzt können auch Hinweise auf psychische Belastungen oder Auffälligkeiten aufnehmen.
Hausärztliche und andere medizinische Kontakte können Gelegenheit geben, Beschwerden anzusprechen und einzuordnen.
Daneben fördern Krankenkassen Präventionsangebote zur psychischen Gesundheit und Stressbewältigung sowie gesundheitsfördernde Strukturen in Lebenswelten.
05 · UNTERSTÜTZEN
Und wenn jemand Unterstützung braucht – aber nicht krank ist?
Eine belastende Lebenssituation kann Unterstützung erfordern, ohne dass eine psychische Erkrankung vorliegt.
Dann können beispielsweise Beratung, Selbsthilfe, Familien- oder Erziehungsberatung, psychosoziale Angebote oder Unterstützung im persönlichen Umfeld helfen.
FAQ
Fragen zu Prävention und Früherkennung
Ist jede psychische Belastung eine Erkrankung?
Nein. Belastungen gehören zum Leben. Entscheidend ist unter anderem, wie stark und wie lange sie wirken und ob sie das Leben eines Menschen erheblich beeinträchtigen. Eine fachliche Diagnose ist etwas anderes als das Wahrnehmen einer Belastung.
Was kann psychische Gesundheit schützen?
Schutz entsteht sowohl durch persönliche Ressourcen als auch durch Lebensbedingungen: verlässliche Beziehungen, soziale Teilhabe, Sicherheit, Erholung und gesundheitsförderliche Bedingungen in Familie, Kita, Schule, Arbeit und Kommune können eine Rolle spielen.
Was ist der Unterschied zwischen Prävention und Früherkennung?
Prävention versucht Gesundheit zu erhalten und Belastungen möglichst zu vermindern. Früherkennung fragt, ob sich bereits Veränderungen zeigen, die genauer angeschaut werden sollten.
Wie können psychische Belastungen bei Kindern auffallen?
Sehr unterschiedlich: Manche Kinder werden laut oder impulsiv, andere still oder ziehen sich zurück. Solche Veränderungen können Hinweise sein, sind aber für sich allein keine Diagnose.
Wer darf beurteilen, ob eine psychische Erkrankung vorliegt?
Beobachten können viele Menschen. Eine psychische Erkrankung fachlich zu diagnostizieren gehört dagegen in die Hände entsprechend qualifizierter Ärztinnen, Ärzte oder approbierter Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten.
Welche Hilfe gibt es, wenn ich Unterstützung brauche, aber nicht psychisch krank bin?
Je nach Situation kommen zum Beispiel Beratungsstellen, Selbsthilfe, Familien- oder Erziehungsberatung, psychosoziale Angebote oder Unterstützung im persönlichen Umfeld infrage. Nicht jede Hilfe setzt eine medizinische Diagnose voraus.
„Ich merke: Allein komme ich gerade nicht weiter.“