Ich komme auf die Welt und wachse heran
Wer bemerkt, was ich brauche?
Vielleicht bin ich gesund und entwickle mich ganz unauffällig. Vielleicht gibt es eine Erkrankung, die noch niemand sehen kann. Vielleicht ist schon bei meiner Geburt bekannt, dass ich krank bin oder mit einer Behinderung leben werde. Und vielleicht bin ich medizinisch gesund, aber die Bedingungen, in die ich hineingeboren werde, machen einen guten Start schwieriger.
Ich selbst weiß von all dem nichts. Ich kann noch nicht beurteilen, ob etwas ungewöhnlich ist, und ich kann nicht um eine Untersuchung oder Unterstützung bitten. In dieser Lebensphase bin ich darauf angewiesen, dass andere für mich hinschauen.
GENAU HINSEHEN
Andere schauen für mich hin
Gleich nach meiner Geburt werde ich untersucht. Nicht, weil schon etwas mit mir nicht stimmen muss, sondern weil manche Erkrankungen oder Auffälligkeiten möglichst früh erkannt werden sollten. Dazu gehören die U1 und U2 sowie besondere Untersuchungen für Neugeborene, zum Beispiel das Neugeborenen- und Hörscreening.
In den nächsten Jahren folgen weitere U-Untersuchungen. Dabei wird nicht nur geschaut, ob ich krank bin. Es geht auch darum, wie ich mich entwickle – zum Beispiel wie ich mich bewege, höre, sehe, spreche und verhalte.
Ich selbst muss noch nicht wissen, welche Untersuchung wann sinnvoll ist. Meine Eltern und das Gesundheitssystem übernehmen in dieser Lebensphase einen großen Teil dieser Verantwortung.
PERSPEKTIVWECHSEL · DAS SYSTEM
Für das System bedeutet das: Es gibt feste Zeitpunkte und Untersuchungen, damit Auffälligkeiten möglichst früh bemerkt werden. Wenn etwas auffällt, beginnt aber erst der nächste Schritt: Es muss geklärt werden, was dahintersteckt und welche Unterstützung gebraucht wird.
Entscheidend ist, ob aus einer Auffälligkeit eine passende Abklärung, Behandlung oder Unterstützung wird – und ob diese Hilfe tatsächlich ankommt.
Und irgendwann werden die Abstände größer
Am Anfang meines Lebens gibt es eng aufeinanderfolgende medizinische Kontakte. Später werden die Abstände größer. Die U9 liegt um den fünften Geburtstag, die J1 erst im Alter von 13 bis 14 Jahren.
Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Inhalte am 20. August 2026 beschlossen. Vorgesehen sind unter anderem eine ausführliche Anamnese und der Blick auf körperliche und psychische Entwicklung sowie Impfberatung. Bis die U10 regulär angeboten werden kann, sind noch weitere Schritte zur Umsetzung nötig.
Eine zusätzliche Untersuchung kann eine Lücke verkleinern. Sie beantwortet aber noch nicht die Frage, wie ein Kind auch außerhalb der Arztpraxis gesehen wird.
MEIN UMFELD
Mein Leben findet nicht nur beim Arzt statt
Mit dem Älterwerden begegnen mir immer mehr Menschen: in meiner Familie, in der Kita, später in der Schule, beim Kinderarzt oder an anderen Orten. Jeder erlebt mich ein bisschen anders. Der eine merkt vielleicht, wie ich mich bewege. Eine andere sieht, wie ich spiele, lerne oder mit anderen Kindern zurechtkomme.
Deshalb kann es wichtig sein, dass nicht nur auf meinen Körper geschaut wird. Auch mein Alltag und die Menschen um mich herum gehören zu meiner Gesundheit und Entwicklung.

Wenn Krankheit nicht das einzige Problem ist
Vielleicht bin ich medizinisch gesund und brauche trotzdem Unterstützung. Vielleicht fehlt zu Hause Geld. Vielleicht ist wenig Zeit für mich da. Vielleicht gibt es Streit oder Gewalt. Vielleicht fällt es meiner Familie schwer, Termine zu organisieren oder herauszufinden, welche Hilfe möglich wäre.
Solche Lebensbedingungen sagen nichts darüber aus, ob Eltern ihr Kind lieben oder sich Mühe geben. Sie können aber beeinflussen, wie gesund ein Kind aufwächst und ob Unterstützung es rechtzeitig erreicht.
L.S.-FRAGE
Viele sehen das Kind. Aber wer bemerkt, wenn es Hilfe braucht – und was geschieht dann?
PERSPEKTIVWECHSEL · DAS SYSTEM
Wer hilft, wenn ein Kind Hilfe braucht?
Ein Kind kann nicht immer selbst sagen, dass etwas nicht stimmt. Vielleicht verändert sich sein Verhalten, es wirkt ängstlich oder zieht sich zurück. Hinweise können deshalb an ganz unterschiedlichen Stellen auffallen.
Familie, Kita, Schule, Kinderarztpraxis, Jugendhilfe oder Menschen aus dem persönlichen Umfeld sehen jeweils nur einen Teil seines Lebens. Entscheidend ist nicht nur, dass jemand etwas bemerkt. Es muss auch klar sein, wie aus einer Beobachtung ein Gespräch, eine Einschätzung und – wenn nötig – konkrete Hilfe werden kann.
L.S.-FRAGE
Wie sorgt ein System dafür, dass ein Kind nicht deshalb unsichtbar bleibt, weil jeder einzelne nur einen kleinen Ausschnitt seines Lebens sieht?
WAS WEISS ICH JETZT?
Am Anfang übernehmen andere Verantwortung für mich
Als kleines Kind kann ich meine Gesundheit noch nicht selbst organisieren. Ich bin darauf angewiesen, dass Erwachsene Verantwortung übernehmen – und dass es Strukturen gibt, die mich regelmäßig sehen und meine Entwicklung begleiten.
Mit jedem Jahr verändert sich das. Ich kann mehr sagen, mehr verstehen und zunehmend selbst mitentscheiden. Dieser Übergang geschieht nicht von einem Tag auf den anderen.
QUELLEN UND GRUNDLAGEN