GESUNDHEITSWESEN · FACHBEREICH

Kinder- & Jugendgesundheit

VOM START INS LEBEN BIS ZUM ERWACHSENWERDEN

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.

Gesundheitliche Versorgung begleitet Kinder von den ersten Untersuchungen nach der Geburt über Vorsorge, Impfungen und Behandlung bis zum Übergang in die Erwachsenenmedizin. Dabei treffen Medizin, Familie, Kita, Schule, Therapie und manchmal Jugend- oder Eingliederungshilfe aufeinander.

Ein eigenes Versorgungssystem – mit vielen Übergängen.

Kinder wachsen und entwickeln sich. Deshalb geht es nicht nur darum, Krankheiten zu behandeln. Entwicklung beobachten, Risiken früh erkennen, Eltern einbeziehen und bei Bedarf verschiedene Hilfen zusammenführen gehören ebenfalls dazu.

ZUERST VERSTEHEN

Wie ist die Versorgung aufgebaut?

Wer ist die erste Anlaufstelle für mein Kind?

Häufig ist es die kinder- und jugendärztliche Praxis. Sie begleitet Entwicklung, Vorsorge, Impfungen und akute oder chronische Erkrankungen. Je nach Alter, Region und Situation kann auch eine hausärztliche Praxis Versorgung übernehmen.

Was passiert bei den Früherkennungsuntersuchungen?

Die Untersuchungen U1 bis U9 beobachten unter anderem körperliche Entwicklung, Sinne, Bewegung, Sprache und Verhalten. Dazu kommen besondere Screenings im frühen Kindesalter. Für Jugendliche gibt es die J1. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat 2026 außerdem eine U10 für 9- bis 10-Jährige beschlossen; Anfang Oktober 2026 steht ihr Inkrafttreten nach Veröffentlichung im Bundesanzeiger noch aus.

Wo gehören Impfungen hin?

Impfberatung und Impfungen sind Teil der ambulanten Versorgung und werden häufig mit Vorsorge- oder anderen Arztterminen verbunden. Welche Impfungen empfohlen werden, richtet sich nach den jeweils geltenden Empfehlungen der Ständigen Impfkommission.

Wann kommen Fachärzte oder ein Krankenhaus dazu?

Wenn eine Erkrankung oder Entwicklungsfrage besondere Diagnostik oder Behandlung braucht, können spezialisierte Kinder- und Jugendärzte, andere Fachrichtungen oder eine Kinderklinik hinzukommen. Je nach Problem entsteht so eine Versorgungskette statt eines einzigen Behandlungsortes.

WENN MEHR HILFE NÖTIG IST

Medizin allein reicht nicht immer.

Was ist ein Sozialpädiatrisches Zentrum (SPZ)?

Ein SPZ ist ein spezialisiertes, interdisziplinäres Angebot für Kinder und Jugendliche, wenn Entwicklungsstörungen, Behinderungen oder komplexe chronische Erkrankungen nicht allein in der üblichen ambulanten Versorgung geklärt oder behandelt werden können.

Welche Rolle spielen Physio-, Ergo- oder Sprachtherapie?

Solche Therapien können Teil eines Behandlungsplans sein, wenn sie medizinisch notwendig sind. Dann müssen ärztliche Versorgung und therapeutische Angebote zusammenspielen – und für Familien praktisch erreichbar sein.

Was ist bei einer chronischen Erkrankung oder Behinderung anders?

Dann kann Versorgung dauerhaft mehrere Stellen verbinden: Arztpraxis, Klinik, Therapie, Hilfsmittelversorgung, Pflege oder Eingliederungshilfe. Medizinische Leistungen und soziale Unterstützung folgen dabei unterschiedlichen Zuständigkeiten.

Warum sind Kita und Schule wichtig, obwohl sie keine Arztpraxen sind?

Kinder verbringen dort viel Zeit. Veränderungen in Entwicklung, Verhalten oder Belastbarkeit können dort früh auffallen. Pädagogische Einrichtungen stellen keine medizinische Diagnose, können Beobachtungen aber mit Eltern besprechen und Wege zu Beratung oder medizinischer Abklärung anstoßen.

PSYCHISCHE GESUNDHEIT

Seelische Gesundheit gehört zur Kindergesundheit.

Bei Kindern und Jugendlichen greifen Entwicklung, körperliche Gesundheit, Familie, Kita oder Schule und psychische Gesundheit ineinander. Deshalb zeigt diese Seite den Versorgungsweg vollständig – auch wenn einzelne Inhalte zusätzlich im Fachbereich „Psychische Gesundheit“ vorkommen.

Was stärkt psychische Gesundheit schon vor einer Erkrankung?

Schutz beginnt in den Lebenswelten: verlässliche Beziehungen, Sicherheit, Bewegung, Schlaf, soziale Teilhabe und Unterstützung bei Belastungen. Prävention richtet sich deshalb nicht nur an das einzelne Kind, sondern auch an Familie, Kita, Schule und andere Orte des Aufwachsens.

→ Prävention & Gesundheitsförderung vertiefen

Wer bemerkt zuerst, dass etwas nicht stimmt?

Oft sind es Eltern, andere Bezugspersonen, Kita oder Schule. Manche Kinder werden unruhig, impulsiv oder aggressiv, andere ziehen sich zurück oder klagen über körperliche Beschwerden. Solche Veränderungen können Hinweise sein, sind aber noch keine Diagnose.

Wo beginnt die medizinische Orientierung?

Eine kinder- und jugendärztliche oder hausärztliche Praxis kann körperliche Ursachen mitbedenken, Entwicklung einordnen und bei Bedarf weiterverweisen. Auch Beratungsstellen können Familien helfen, den nächsten sinnvollen Schritt zu finden.

Wie kommt ein Kind in psychotherapeutische Behandlung?

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutische Praxen bieten eine psychotherapeutische Sprechstunde zur ersten Abklärung an. Dort wird eingeschätzt, ob eine psychische Erkrankung vorliegen könnte und welche weitere Hilfe passend ist. Eltern oder Sorgeberechtigte werden – abhängig von Alter und Situation – einbezogen.

Wann ist Kinder- und Jugendpsychiatrie zuständig?

Wenn psychische Erkrankungen ärztlich diagnostiziert und behandelt werden müssen oder eine komplexere Versorgung erforderlich ist, kommt die Kinder- und Jugendpsychiatrie hinzu. Behandlung kann ambulant, in einer Institutsambulanz, tagesklinisch oder stationär erfolgen.

Welche Rolle spielen Beratung und psychosoziale Hilfen?

Nicht jede Belastung braucht sofort eine medizinische Behandlung. Erziehungs- und Familienberatung, Schulberatung, Jugendhilfe, Selbsthilfe oder andere psychosoziale Angebote können unterstützen. Schwieriger wird es, wenn mehrere Systeme gleichzeitig beteiligt sind und Familien die Übergänge selbst organisieren müssen.

Was passiert, wenn ambulante Hilfe nicht ausreicht?

Je nach Schwere und Bedarf kommen intensivere Angebote infrage: psychiatrische Institutsambulanz, Tagesklinik oder stationäre Kinder- und Jugendpsychiatrie. Auch Rehabilitation kann bei bestimmten Erkrankungen und Folgen eine Rolle spielen.

Was gilt in einer akuten psychischen Krise?

Bei akuter Gefahr für das Kind oder andere Menschen ist schnelle Hilfe nötig. In lebensbedrohlichen Situationen gilt 112. Außerhalb regulärer Praxiszeiten kann 116117 bei der medizinischen Einordnung helfen; regional können zusätzlich Krisendienste oder kinder- und jugendpsychiatrische Notfallangebote bestehen.

Warum sind die Übergänge besonders wichtig?

Ein Kind kann gleichzeitig medizinische, psychotherapeutische, schulische und soziale Unterstützung brauchen. Diese Leistungen liegen nicht immer in einer Hand. Genau an den Übergängen zwischen Gesundheitswesen, Schule und Jugend- oder Eingliederungshilfe kann Koordination zur eigentlichen Herausforderung werden.

ÜBERGÄNGE

Was passiert, wenn aus dem Kind ein Erwachsener wird?

Endet Kinder- und Jugendmedizin einfach mit dem 18. Geburtstag?

Nicht jede Versorgung wechselt am selben Tag. Bei chronischen oder komplexen Erkrankungen muss der Übergang in die Erwachsenenmedizin vorbereitet werden. Zuständigkeiten, Praxen und Ansprechpartner können sich dabei ändern.

Wo entstehen besonders leicht Lücken?

Vor allem an Schnittstellen: wenn mehrere Fachrichtungen beteiligt sind, wenn medizinische und soziale Hilfen zusammentreffen, wenn Wartezeiten entstehen oder wenn beim Erwachsenwerden neue Zuständigkeiten beginnen. Für Familien wird dann Koordination selbst zu einer Aufgabe.

Quellen & weiterführende Informationen

Gemeinsamer Bundesausschuss: Kinder-Richtlinie

Gemeinsamer Bundesausschuss: Jugendgesundheitsuntersuchungs-Richtlinie

Gemeinsamer Bundesausschuss: U10 und J1 – Beschluss vom 20.08.2026

gesund.bund.de: Kinder- und Jugendpsychotherapie