KOSTEN · SCHUBLADE 01 · PERSONAL
Was kostet verfügbare Facharbeitszeit?
Hier liegt die ausführliche Prüfung hinter der Kurzbilanz des Arbeitstischs KOSTEN.
RECHENWERKSTATT · KOSTEN · LUPE 01
PERSONAL · Was kostet verfügbare Facharbeitszeit?
Ein Monatsgehalt ist noch kein Personalpreis. Für die Versorgung zählt, wie viel qualifizierte Arbeitszeit tatsächlich verfügbar ist – und welche Qualifikation eine Tätigkeit wirklich braucht.
L.S.-MODELLRECHNUNG · REFERENZFALL 2026
ca. 45–48 €Arbeitgeberkosten je verfügbarer Arbeitsstunde einer tariflich beschäftigten Krankenhaus-Pflegefachkraft.
Kein bundesweiter Durchschnittspreis. Referenz: TVöD-K, Pflegefachkraft P7 / Stufe 4; Modellannahmen und Abgrenzungen siehe Vertiefung.01Wie wird aus Pflegebedarf Personalbedarf?
Für die stationäre Krankenhauspflege erfinden wir keinen eigenen Personalschlüssel. Die gesetzlich verankerte PPR 2.0 dient als Ausgangspunkt: Sie übersetzt die Patientensituation in einen Pflegepersonalbedarf. In der Einführungsphase werden Soll- und Ist-Besetzung erhoben; ein verbindlicher Erfüllungsgrad ist noch nicht festgelegt.
02Warum ist Pflegearbeitszeit nicht automatisch Fachkraftzeit?
Pflegefachpersonen tragen insbesondere Verantwortung für Ermittlung, Planung, Steuerung und Evaluation des Pflegeprozesses. Andere Tätigkeiten können – abhängig von Patientensituation und Kompetenzbedarf – durch Assistenz, Service, Logistik oder andere geeignete Berufsgruppen übernommen werden.
Ein passender Qualifikationsmix kann deshalb vor allem Facharbeitszeit freisetzen. Eine belastbare bundesweite Quote für Fachkraft-, Assistenz- und Serviceanteile setzen wir nicht an.
03Wie entsteht unser Referenzwert von 45–48 €?
Als transparente Referenz verwenden wir eine Pflegefachkraft im kommunalen Krankenhaus nach TVöD-K, P7 / Stufe 4. Das Tabellenentgelt beträgt ab 1. Mai 2026 3.998,33 € monatlich. Mit tariflichen Bestandteilen sowie modellierten Arbeitgebernebenkosten ergibt sich in unserer Arbeitsrechnung eine Größenordnung von rund 68.000 € Jahres-Arbeitgeberkosten.
2026 gibt es bundesweit durchschnittlich 250,5 Arbeitstage. Nach 30 Urlaubstagen und als Referenz 25,8 krankheitsbedingten Fehltagen für TK-versicherte Beschäftigte in der Krankenpflege 2025 verbleiben rechnerisch rund 1.500 verfügbare Stunden. Zusätzliche tarifliche bzw. qualifikationsbedingte Abwesenheiten führen in der Sensitivitätsrechnung zu etwa 1.400–1.500 Stunden.
Wichtig: Das ist eine L.S.-Modellrechnung, keine Vollkostenrechnung eines Krankenhauses. Betriebliche Gemeinkosten und individuelle Besonderheiten sind nicht vollständig enthalten. Der TK-Wert ist ein Referenzwert aus deren Versichertendaten, keine Vollerhebung aller Pflegekräfte.
04Was bindet Arbeitszeit – und was wäre wirklich Einsparung?
Verfügbare Arbeitszeit ist nicht gleich Zeit am Patienten. Zur notwendigen Arbeit gehören auch Übergaben, fachlich notwendige Dokumentation, Kommunikation und Organisation. Davon zu unterscheiden sind vermeidbare Doppelarbeit, Medienbrüche, Suchen, unnötige Übertragungen oder fachfremde Tätigkeiten.
Digitalisierung oder bessere Organisation sparen deshalb nicht automatisch Geld. Sie können zunächst Versorgungszeit gewinnen. Erst wenn dadurch weniger zusätzliche Stellen, Überstunden oder Ersatzpersonal benötigt werden, entsteht eine bezifferbare Kostensenkung.
05Welche Personalreserve liegt außerhalb der Station?
Teilzeit, Dienstpläne, Krankheit, Sorgearbeit und kurzfristige Betreuungsausfälle beeinflussen, wie viel qualifizierte Arbeitszeit tatsächlich verfügbar ist. Ein hoher Teilzeitanteil bedeutet dabei nicht automatisch mehr Übergaben oder Ineffizienz; entscheidend ist die konkrete Verteilung der Arbeitszeit.
Auch passende Betreuungs- und Notfallstrukturen können zur Personalinfrastruktur gehören. Bestehende Familienpflege- und Dorfhilfe-Modelle zeigen das Prinzip: Nicht jede kurzfristige Betreuungslücke muss durch den vollständigen Ausfall einer Fachkraft beantwortet werden. Ob und in welchem Umfang solche Lösungen im Krankenhausbereich geeignet und wirtschaftlich wären, bleibt offen.
06Was bleibt offen?
Wir rechnen derzeit keine pauschale Einsparsumme aus besserem Qualifikationsmix, weniger Bürokratie oder Digitalisierung. Dafür fehlen belastbare bundesweite Anteile.
Auch aus Urlaub und Fehlzeiten leiten wir keine pauschale Aussage wie „Krankenhäuser brauchen 30 % mehr Personal“ ab. PPR 2.0, Schichtbesetzung, Jahresarbeitszeit und Ausfallplanung greifen komplexer ineinander.
DAZUGELERNT · PERSONAL
Personalmangel ist nicht nur eine Frage der Zahl der Beschäftigten. Entscheidend ist, wie viel qualifizierte Arbeitszeit tatsächlich für Versorgung zur Verfügung steht. Ein besserer Personaleinsatz kann Facharbeitszeit freisetzen, ohne den Pflegebedarf kleinzurechnen.
KOSTEN-LUPE 01 · SCHLUSSBILANZ
PERSONAL ist für diesen Prüfdurchgang geschlossen. Wir können den Personalpreis als Modellgröße abbilden, ohne Scheingenauigkeit bei möglichen Einsparungen zu erzeugen.