01 · MEINE ZÄHNE GESUND HALTEN

Prävention

Vorsorgen, bevor etwas weh tut.

Zahngesundheit beginnt nicht erst in der Zahnarztpraxis. Sie beginnt mit dem ersten Zahn – und begleitet uns durch das ganze Leben.

Einen Teil können wir selbst tun. Einen anderen Teil organisiert und finanziert unser Gesundheitssystem.

Wie hilft mir das System dabei, dass meine Zähne möglichst gar nicht erst krank werden?

WO BIN ICH IM LEBENSBOGEN?

01Mein erster ZahnAndere kümmern sich.
→
02Ich lerne vorzusorgenIch übernehme immer mehr selbst.
→
03Ich kümmere mich selbstVorsorge wird Teil meines Alltags.

MEIN PRÄVENTIONSWEG

Vom ersten Zahn an

01

Mein erster Zahn

Noch kümmern sich andere um mich.

Eltern übernehmen Mundpflege und Ernährung. Zahnärztliche Früherkennung beginnt bereits im Kleinkindalter: untersuchen, beraten, Risiken früh erkennen und vorbeugen.

02

Ich komme in Kita und Schule

Prävention kommt zu mir.

Gruppenprophylaxe bringt Zahngesundheit dorthin, wo Kinder ohnehin sind. Mundhygiene, Ernährung und Vorsorge hängen damit nicht allein vom Besuch einer Zahnarztpraxis ab.

Das System wartet nicht nur darauf, dass das Kind zur Prävention kommt. Die Prävention kommt zum Kind.
03

Ich werde älter

Jetzt übernehme ich zunehmend selbst.

Zur Unterstützung durch das System kommt immer mehr Eigenverantwortung: tägliche Mundpflege, Kontrolltermine und der Umgang mit Empfehlungen.

DAS SYSTEM KANN …

Früherkennung anbieten

Gruppenprophylaxe organisieren

Kontrolluntersuchungen finanzieren

bestimmte präventive Leistungen bezahlen

über Risiken informieren

regelmäßige Vorsorge belohnen

ICH KANN …

Zähne pflegen

auf Ernährung achten

Kontrolltermine wahrnehmen

Empfehlungen umsetzen

bei Beschwerden früh reagieren

Prävention funktioniert nur, wenn beides zusammenkommt.

EIN FINANZIELLER ANREIZ

Das Bonusheft

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen helfen zunächst dabei, Erkrankungen früh zu erkennen. Das System setzt zusätzlich einen finanziellen Anreiz: Wer die regelmäßige Vorsorge später beim Zahnersatz nachweisen kann, erhält einen höheren Festzuschuss.

60 %ohne Bonus
70 %nach 5 Jahren Vorsorge
75 %nach 10 Jahren Vorsorge

Wichtig: Das Bonusheft bezahlt nicht meine Vorsorge. Es belohnt sie später, falls ich Zahnersatz brauche.

PRÄVENTION – ABER NICHT AUTOMATISCH KASSENLEISTUNG

Und die professionelle Zahnreinigung?

Die professionelle Zahnreinigung (PZR) gehört nicht zu den allgemeinen Pflichtleistungen der gesetzlichen Krankenversicherung. Manche Krankenkassen übernehmen oder bezuschussen sie freiwillig.

L.S.-FRAGE

Wenn unser Gesundheitssystem auf Prävention setzt: Wie entscheidet es, welche Vorsorge die Solidargemeinschaft bezahlt – und welche nicht?

DAZUGELERNT

Prävention wirkt.

78 %der 12-Jährigen sind kariesfrei.
etwa ½so hoch ist die Karieserfahrung der 35- bis 44-Jährigen im Vergleich zu 1989.
5 %der 65- bis 74-Jährigen sind zahnlos.

Menschen behalten ihre eigenen Zähne heute deutlich länger. Prävention hat daran einen wichtigen Anteil.

ABER

Der Erfolg kommt nicht bei allen gleich an.

familiärer Bildungsstatushoch85 %12-Jährige ohne Karies
familiärer Bildungsstatusmittel74 %12-Jährige ohne Karies
familiärer Bildungsstatusniedrig59 %12-Jährige ohne Karies

Obwohl Kinder grundsätzlich Zugang zur zahnmedizinischen Prävention haben, unterscheiden sich ihre Mundgesundheitschancen weiterhin deutlich.

Auch bei Menschen mit Migrationsgeschichte zeigen Untersuchungen Unterschiede. Die Ursachen lassen sich nicht auf „Migration“ reduzieren: Gesundheitskompetenz, Gesundheitsverhalten, Lebensbedingungen und unterschiedliche Versorgungserfahrungen müssen mitgedacht werden.

L.S.-FRAGE

Wenn alle dasselbe Präventionsangebot bekommen – haben dann auch alle die gleiche Chance auf gesunde Zähne?

Vielleicht muss erfolgreiche Prävention nicht überall dasselbe tun. Vielleicht muss sie Menschen dort stärker erreichen, wo das Risiko höher ist.

ZOOM · KITA UND SCHULE

Prävention unabhängig vom Elternhaus?

Wenn Prävention in Kita oder Schule stattfindet, kann sie auch Kinder erreichen, deren Familien Vorsorgeangebote seltener nutzen. Gruppenprophylaxe ist deshalb mehr als Zahnputzübung: Sie zeigt, wie ein Sozialstaat versuchen kann, unterschiedliche Ausgangsbedingungen früh auszugleichen.

Erreichen wir damit gerade die Kinder ausreichend, die das höchste Erkrankungsrisiko haben?

TEILBILANZ

Was haben wir gelernt?

Was funktioniert?

✓ Prävention beginnt sehr früh.

✓ Sie findet nicht nur in Zahnarztpraxen statt.

✓ Mundgesundheit hat sich über Jahrzehnte erheblich verbessert.

✓ Menschen behalten ihre eigenen Zähne länger.

Was bleibt offen?

? Nicht alle Bevölkerungsgruppen profitieren gleichermaßen.

? Prävention erreicht Menschen unterschiedlich gut.

? Nicht jede präventive Maßnahme ist GKV-Leistung.

? Eigenverantwortung setzt Wissen, Möglichkeiten und Alltagsspielraum voraus.

Prävention kann viel verhindern. Aber nicht jede Erkrankung.

Was passiert, wenn mein Zahn trotzdem krank wird?Tür 02 wird als Nächstes erarbeitet.
Quellen & Datenbasis

Grundlagen: Gemeinsamer Bundesausschuss (zahnärztliche Früherkennung und Prophylaxe), Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung sowie Sechste Deutsche Mundgesundheitsstudie (DMS 6). Zahlen und Leistungsstände werden vor Veröffentlichung erneut auf Aktualität geprüft.