Zahnmedizin war nicht immer so organisiert wie heute. Leistungen wurden erweitert, Kosten begrenzt, Eigenverantwortung gestärkt und Prävention ausgebaut. Und manches, was erfolgreich war, hat neue Aufgaben entstehen lassen.
Was haben rund 100 Jahre Zahngesundheit für die Menschen verändert?
DAS WICHTIGSTE AUF EINEN BLICK
DER LERNWEG
1950er-Jahre
Zahnmedizin wird Teil der geregelten Versorgung.
Die Strukturen der vertragszahnärztlichen Versorgung werden aufgebaut. Im Mittelpunkt steht zunächst vor allem die Behandlung bereits entstandener Zahnschäden.
ZAHN KRANK → BEHANDELN
DAZUGELERNT: Notwendige Zahnbehandlung wird verlässlich in die solidarisch finanzierte Gesundheitsversorgung eingebunden.
1975
Auch Zahnersatz wird umfassend abgesichert.
Zahnersatz wird grundsätzlich Teil des GKV-Leistungssystems. Die Solidargemeinschaft übernimmt damit zunehmend auch die Folgen bereits eingetretener Zahnschäden.
ZAHN KRANK → BEHANDELN · ZAHN VERLOREN → ERSETZEN
ab 1977
Die Kostenfrage kommt hinzu.
Mit der Kostendämpfung beginnt beim Zahnersatz eine stärkere Beteiligung der Versicherten. Das System unterscheidet deutlicher: Was bezahlt die Gemeinschaft – und was der Einzelne?
VERSORGUNG + SOLIDARITÄT + EIGENBETEILIGUNG
ab 1989
Nicht nur reparieren. Verhindern.
Früherkennung, Gruppen- und Individualprophylaxe werden gestärkt. Regelmäßige Vorsorge wird beim späteren Zahnersatz finanziell berücksichtigt.
BISHERKrankheit ↓ BehandlungJETZT ZUSÄTZLICHPrävention ↓ weniger Krankheit ↓ weniger Behandlung
1990er-Jahre
Die Suche nach einer tragfähigen Grenze.
Wie viel übernimmt die Krankenkasse? Wie viel trägt der Patient selbst? Wie wird Vorsorge berücksichtigt? Die konkrete Antwort verändert sich mehrfach. Die Grundfrage bleibt.
2005
Nicht die gewählte Behandlung bestimmt den Zuschuss.
Mit den befundbezogenen Festzuschüssen wird die Finanzierung des Zahnersatzes neu geordnet. Das System verbindet Solidarbeitrag, Kostenbegrenzung und Wahlfreiheit.
Die Krankenkasse übernimmt wieder einen größeren Anteil.
Der allgemeine Festzuschuss zur Regelversorgung steigt von 50 auf 60 Prozent; mit regelmäßigem Bonus auf 70 beziehungsweise 75 Prozent.
Auch nach Einführung eines Systems ist die Frage nach dem Verhältnis von Solidarbeitrag und Eigenanteil nicht endgültig beantwortet.
WAS HAT SICH VERÄNDERT?
Die Zähne der Menschen sind gesünder geworden.
rund 78 %der 12-Jährigen sind kariesfrei.
deutlich weniger Kariesbei Erwachsenen als in früheren Jahrzehnten.
rund 5 %der 65- bis 74-Jährigen sind vollständig zahnlos.
Immer mehr Menschen behalten ihre eigenen Zähne bis ins hohe Alter.
Diese Entwicklung lässt sich nicht einer einzelnen Reform zuschreiben. Prävention, Behandlungsmöglichkeiten, Lebensbedingungen und individuelles Verhalten wirken zusammen.
ERFOLG → NEUE AUFGABE
Der Erfolg verändert das Problem.
FRÜHERViele Zähne gingen verloren.Zahnersatz war eine zentrale Aufgabe.
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HEUTEMehr eigene Zähne bleiben erhalten.Sie müssen länger gepflegt und behandelt werden.
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NEUE AUFGABEZahngesundheit im hohen Alter.Wurzelkaries · Parodontitis · Pflegebedarf
SEIT DEN 2010ER-JAHREN
Das System lernt erneut.
Für Pflegebedürftige und bestimmte Menschen mit Behinderungen werden besondere Präventions- und Unterstützungsangebote geschaffen und ausgebaut.
? Barrierefreiheit und regionale Erreichbarkeit bleiben Aufgaben.
DAZUGELERNT
Ein gelöstes Problem kann eine neue Aufgabe schaffen.
Der Sozialstaat hat Zahngesundheit nicht mit einer einzigen großen Reform verändert. Er hat Leistungen erweitert, Kosten begrenzt, Prävention aufgebaut, Eigenverantwortung einbezogen und auf neue Lebenslagen reagiert.
Vieles wurde dadurch besser. Aber der Erfolg selbst verändert, was als Nächstes gelöst werden muss.