UNIVERSAL DESIGN · VERTIEFUNG 02

Wohnen ohne Barrieren – wie groß ist der Bedarf?

Stand der Dinge

In Deutschland gibt es deutlich weniger Wohnungen mit umfassenden Merkmalen der Barrierereduktion, als Menschen mit Mobilitätseinschränkungen sie benötigen könnten. Dabei betrifft das Thema nicht nur ältere Menschen. Auch Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit Behinderungen können auf entsprechend gestaltete Wohnungen und ein gut erreichbares Wohnumfeld angewiesen sein.

Dem steht ein geschätzter Bedarf von mehreren Millionen Haushalten mit mobilitätseingeschränkten Mitgliedern gegenüber.

Wichtig: Diese Wohnungen sind nicht automatisch vollständig barrierefrei oder uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar. Die statistisch erfassten Merkmale ersetzen keine Prüfung nach bautechnischen Normen.

Eine bundesweit belastbare Zahl, wie viele Menschen in diesen Gruppen eine geeignete Wohnung benötigen und keine finden, lässt sich aus den bisher untersuchten Statistiken nicht ableiten. Insbesondere für Kinder und jüngere Erwachsene fehlen ausreichend differenzierte Wohnungsbedarfsdaten.

Nicht nur die Wohnung – auch der Standort zählt

Eine Wohnung kann baulich gut zugänglich sein und dennoch den Alltag erheblich erschweren, wenn wichtige Einrichtungen nicht erreichbar sind.

Auch für Angehörige, ambulante Pflegekräfte und Menschen, die im Alltag unterstützen, macht die Lage einen Unterschied: Wegezeiten und Erreichbarkeit beeinflussen, wie Unterstützung organisiert werden kann.

Bei der sozialen Wohnraumförderung werden Infrastruktur und Verkehrsanbindung grundsätzlich berücksichtigt. Die konkreten Förderbedingungen unterscheiden sich zwischen den Bundesländern.

Eine Haltestelle in der Nähe bedeutet beispielsweise noch nicht, dass der Weg dorthin oder die anschließende Fahrt barrierefrei nutzbar ist.

Wer ist zuständig?

Bundesweite Statistiken erfassen einzelne Merkmale der Barrierereduktion. Sie zeigen jedoch nicht umfassend, ob geeignete Wohnungen für Menschen mit unterschiedlichen Einschränkungen tatsächlich verfügbar, bezahlbar und am benötigten Standort erreichbar sind.

Für die Pflegevorsorge sind deshalb drei Fragen zu unterscheiden: Wie ist eine Wohnung gestaltet? Wo befindet sie sich? Und kann der Mensch, der dort lebt, seinen Alltag möglichst selbstständig gestalten?

Weiterführende Informationen

Datenstand: Mikrozensus 2022; rechtliche und weitere Grundlagen: Oktober 2026.